30 Von der Bewegung des Waſſers
Quellen, 178 Seite, welſen wollen, daß das mittelländiſche Meer einige unterirdiſche Schlünde habe, durch welche das überflüßige Waiſer unvermerkt abzeführet werde, Dieſe Meynung aber widerleget ſich felb/t, denn das Waſſer könn= te nicht mit ſolcher Heftigkeit, wie gemeldet wird, durch die Enge in das mittelländiſche Meer fließen, wenn es nicht im atlantiſchen Meere wirklich höher ſtünde, als im mittelländi= ſchen. Lägen beyde Meere gleich hoch, und hätte ihr Waſs ſer einerley eigene Schwere, ſv. ließe ſich keine Urſache ange- ben, warum der Strom nicht eben ſowol zur Meerenge Hinaus, als in ſolche hinein gehen ſollte. Weil er aber be- ſtändig hinein fließt, ſo müßte, nach den hydroſtatiſchen Ge- ſeßen, das atlantiſche Meer höher als das mittelländiſche liegen. Liegt es höher, ſo ſcheinen auch alle übrigen Theile des großen Weltmeeres, die mit dem atlantiſchen zuſammens- Hängen, höher zu liegen, Folglich fann aus dem mittellän« diſchen Meere kein Waſſer in die andern umherltegenden Meere durch unkerirdiſche Gänge auslaufen, wenn auch gleich ſolche Bänge vorhanden wären 3 ſondern das Wajſer würde durch ſelbige vielmehr in das mittelländiſche Meer dringen, bis ſolches mit den herumliegenden Meeren ins Gleichgewichte käme.
S. 7- Weil gloichwöl nicht nur das atlantiſche Meer, ſondern auch eine Menge großer Flüſſe wirklich in das mite telländiſche Meer fallen, wozu auch noch Regen und Thau kommen, welche ebenfalls das Waſſcr in demſelben vermeh= ren, dagegen aber auch durch unterirdiſche Gänge kein Waſ- ſer herausfommen fann, ſo muß die Natur ein anderes
tittel zu Abführung deſſelben gebrauchen, daher ſind eini- ge auf die Gedanken gerathen, vie bloße Ausdünſtung wä- re hierzu zulänglich, Dieſe Meynung iſt vielen deſto wahr= ſcheinlicher vorgekommen, da eariotre, und nach ihm mehr Mitglieder der königl. franz. Akad. der Wiſſenſ, durch fleißige Verſuche, welche 1688 und die folgenden Jahre an- geſtellet worden, bewieſen haben, daß aller Regen, Schnee und Thau, der jährlich um Paris fällt, zuſammen ſo viel aj
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