148 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.
Markierung zu vermeiden. Auch auf Treue des Wollhaares legt hier der Fabrikant einen Wert; denn untreues Haar er⸗ zielt in der Kammwollfabrikation zuviel Kämmlinge, da die Widerſtandskraft ſehr in Anſpruch genommen wird. Iſt alſo ein Wollhaar in ſeinen Teilen nicht gleich, ſo zerreißt es beim Kämmen; auf feſtgeſchloſſenen Stapel ſieht der Kammwoll⸗ fabrikant nicht allzu ſehr. Beſonders aber muß ich die Land⸗ wirte darauf hinweiſen, den Quaderſtapel zu vermeiden; denn derſelbe läßt immer auf eine keulenartige Strähnbildung ſchließen
Die Länge der Kammwolle.
Unter den Züchtern herrſcht jetzt vielfach die Anſicht, Kammwolle könne nicht lang genug ſein; dieſes zeugt aber von wenig Kenntnis der Fabrikation; denn zu lange Wolle können unſere Fabrikanten überhaupt nicht verarbeiten. Wolle von 7—9 em Länge befriedigt vollſtändig den Fabrikanten; es wäre Unſinn, längere heranzuzüchten, da ſie über eine gewiſſe Grenze von Länge untauglich für die Fabrikation wird.
Feinheit der Kammwolle.
Vielfach hört man jetzt von Züchtern die Behauptung aufſtellen, Kammwolle könne nicht grob genug ſein, man müſſe Tertiafeinheit züchten; demgegenüber muß ich geltendmachen, daß man Tertiafeinheit von unſeren Kammwollſchafen nicht braucht; dafür gibt es engliſche Kreuzungen. Der Kammgarn⸗ fabrikant braucht keine ſo große Feinheit wie der Streichgarn⸗ ſpinner, aber das Sortiment einer Kammwolle ſollte ſich in den Grenzen einer geringen Prima bis geringen Sekunda bewegen.
Pierer ſche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel& Co. in Altenburg.


