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Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
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144 Dritter Teil. Die techniſche Verarbeitung der Wolle.

werden. Bei dem baumwollenen Sammet(Mancheſter, Velvet) wird der Flor durch den Eintrag hervorgebracht. Er verbindet zunächſt die Kettenfäden miteinander zu einem konſiſtenten, nur auf der Rückſeite des Stoffes ſichtbaren Grundgewebe und läuft auf ſolche Art durch die Kette, daß er zu wenigſtens drei Viertel auf der rechten Seite des Stoffes flott liegt und hier lauter parallele Längsſtreifen bildet, welche unten das Grund⸗ gewebe, oben die ungebundenen Teile des Eintrags zur Wand haben. Die flottliegenden Teile des Eintrags werden nach dem Weben mit einem Meſſer aufgeſchnitten und ihre Endchen mittelſt einer Maſchine aufgebürſtet, wodurch das dicht deckende Haar entſteht, welches ſpäter abgeſchoren wird. Der Flor wird bei dem echten Sammet durch eine zweite Kette hervor⸗ gebracht, welche auf dem Webſtuhl oberhalb der Kette des Grundgewebes aufgeſpannt iſt. Aus der Polkette werden beim Weben kleine Schleifen oder Maſchen gebildet, indem man in jedes beim Weben von der Polkette gebildete Fach eine Nadel einſchiebt. Dieſe Schleifen werden nachher an der oberen Biegung ausgeſchnitten und durch Bürſten und Scheren ver⸗ arbeitet. Zu den ſammetartigen Stoffen gehören: echter Sammet, Mancheſterſammet, ſammetartige Teppiche, Plüſch und Mohair⸗ plüſch, ſammetartige Tapeten.

V. Gazenartige Stoffe.

Je zwei Nachbarfäden der Kette legen ſich abwechſelnd von links nach rechts übereinander und halten die Schußfäden zwiſchen dieſen Kreuzungen feſt. Es entſtehen Stoffe mit ge⸗ kreuzter Kette, wobei der eine Kettenfaden ſämtliche Schußfäden unter ſich, der andere ſämtliche Schußfäden über ſich läßt. Zu den Stoffen gehören die Zylindergaze.

Was verlangt der Fabrikant von einer Wolle?

Die Eigenſchaft, welche ſowohl in der Tuch⸗ als auch in der Kammgarnfabrikation die größte Rolle ſpielt, iſt die Aus⸗ geglichenheit im Vlieſe. Möge doch jeder Landwirt ſich bemühen, ausgeglichen zu züchten! Gerade an dieſer Eigenſchaft krankt unſere Schafzucht und wird von der überſeeiſchen übertroffen; ſolange der deutſche Schafzüchter dieſe Eigenſchaft nicht wieder⸗ erobert, bleibt er hinter den überſeeiſchen Ländern zurück. Meiner