18 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung und Ernährung des Schafes. nur ſeine individuellen Eigenſchaften maßgebend ſein ſollten, ſo ſtürzte das mit ſo vieler Mühe errichtete und mit Sorgfalt gepflegte Gebäude der Vererbung des reinen Blutes in ſich zuſammen. Je verſchiedener nun die Individuen in ihren Eigenſchaften waren, die in früheren Zeiten miteinander gepaart wurden, deſto mehr Rückſchläge kamen vor, und dieſe Rückſchläge, die Unſicherheit in der Vererbung warfen die Theorie der Individual⸗ potenz über den Haufen. So richtig es iſt, bei der Auswahl der Zuchttiere die individuellen Eigenſchaften zu berückſichtigen und das Heil der Zucht nicht allein im reinen Blute zu ſuchen, ſo iſt es doch unzweifelhaft notwendig, auf die Befeſtigung der Zuchtrichtung und auf die Ausgleichung und Verſchmelzung der Eigenſchaften in den Individuen einer Herde durch mehrere Generationen Gewicht zu legen, wenn die Vererbung Sicherheit gewähren und vor Rückſchlägen bewahrt bleiben ſoll; ob eine Blutmiſchung ſtattgefunden, iſt gleichgültig, wenn nur die in den Herden gewählte Zuchtrichtung ſich ſo weit konſolidiert hat, daß die Vererbung derſelben durch eine Reihe von Generationen ſtattgefunden hat. Die Herde muß der Züchtungskonſtanz Gewähr leiſten; die Züchtungskonſtanz beachtet ebenſo gut die Abſtammung als die Individualpotenz des Zuchttieres, aber ohne Berückſichtigung der Konſtanz des reinen Blutes. Nach dieſer allgemeinen Überſicht über die verſchiedenen Theorien gehen wir zur Züchtung, zu den Methoden der Zucht über. Die Fortpflanzung geſchieht bekanntlich bei den meiſten Tieren durch Paarung. Die weitere Entwicklung hängt nur von natürlichen oder künſtlichen Einflüſſen ab; über die Ver⸗ wendung des betreffenden Tieres zur Fortpflanzung entſcheidet die Erwägung des Züchtungszweckes. Zu beachten bleibt daher der Zweck der Züchtung, der Raſſebegriff, die Zuchtmethode, die Zeugung und Vererbung und das Exterieur. Der Züchtungs⸗ zweck muß jedesmal unwandelbar feſtſtehen; nichts rächt ſich in der Tierzüchtung mehr als Ungewißheit des Zweckes derſelben. Die Züchtungsobjekte dürfen nur aus dem beſten Material gewählt und es muß immer erwogen werden, ob es ſich um Nutz⸗ oder um Zuchttiere handelt. Letztere erfordern ein höheres Maß von Intelligenz und größeres Kapital. Was die Leiſtungs⸗ fähigkeit betrifft, ſo kann der Zweck der Züchtung je nach der Tierart auf die Nutzung der Wolle, des Fleiſches oder der Milch greichtet ſein.
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Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
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