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Die Schafzucht : Rassen, Züchtung und Ernährung des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
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Erſter Teil.

Raſſen, Büchtung und Ernährung des Schafes.

Die Schafzucht iſt ſeit den früheſten Zeiten faſt in allen Erdteilen und Zonen betrieben worden. Auch in Zukunft werden Schafe gehalten werden, weil ihre Wolle zur Bekleidung der Menſchen unentbehrlich iſt. Das Schaf gehört zu den begünſtigten Haustieren; es wird nicht nur der Wolle und des Fleiſches, ſondern auch der Milch wegen gezüchtet. Dasſelbe beſitzt eine hohe Akklimatiſationsfähigkeit; es gewöhnt ſich ſchnell an örtliche Verhältniſſe. Während es im hohen Norden ein ſehr dichtes Vlies trägt, iſt ſeine Wolle in den wärmeren Ländern ſchlichter und dünner. Kaum eine Tiergattung kann bei ſo dürftigem Futter exiſtieren als das Schaf. Man denke nur an die ſpärlichen, knappen Weiden im ſüdlichen Rußland und in Auſtralien, mit denen es gleichwohl ſein Leben friſtet; bei kräftigerem Futter lohnt es reichlich durch größere Pro⸗ duktivität der Wolle, des Fleiſches, der Milch, des Düngers uſw. In naturgeſchichtlicher Beziehung gehört das Schaf zu der Ordnung der Wiederkäuer(Ruminantia). Man unterſcheidet ziegenartige und ſchafähnliche Wiederkäuer. Von letzteren gibt es dreierlei Varietäten: den Argali(Ovis Ammon), den Muflon (Ovis Musimon) und das zahme Schaf oder Hausſchaf(Ovis Aries). Die beiden erſten Arten kommen hier nicht näher in Betracht; das letztere dagegen ſoll uns hier weiter beſchäftigen. Die ſchafähnlichen Wiederkäuer ſind entweder gehörnt oder ungehörnt. Sind Hörner vorhanden, ſo iſt das rechte Horn nach links, das linke nach rechts gewunden. Durch dieſe Windungen treten die Hornſpitzen nach außen. Der Vorder⸗ kopf iſt gewölbt. Das Schaf hat nichts an ſich, was einem

Heyne, Schafzucht. 1