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Geburtshilfe : für Landwirte / bearb. von A. Tapken
Entstehung
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Nabelentzündung. 145

oben, in der Bauchhöhle, gelegenen Teil des Nabelſtranges vor⸗ handen iſt, fehlen äußere Erſcheinungen.

Wenn die Entzündung auf den unteren Teil des Nabels und auf deſſen Umgebung begrenzt bleibt, ſo verläuft das Leiden manchmal ziemlich günſtig. Es iſt zwar das Allgemeinbefinden der Kranken geſtört, ſie nehmen weniger Nahrung und magern ab, es erfolgt aber gewöhnlich nach einiger Zeit Heilung.

Oft genug iſt jedoch der Verlauf ungünſtig. Die Tiere ver⸗ lieren nach und nach ganz den Appetit, fiebern ſtark, werden matt, liegen viel und gehen in einigen Tagen oder Wochen zu Grunde. Einen ſolchen Ausgang nimmt die Krankheit namentlich, wenn von der Nabelvene aus faulige oder eitrige Stoffe in das Blut und mit dieſem in verſchiedene Körperteile gelangen. Auf dieſe Weiſe entſteht auch die eitrige Gelenkentzündung.

Behandlung. Sohbald ſich durch eine feuchte Beſchaffenheit des Nabelreſtes die Entzündung bemerkbar macht, iſt der Nabel mit einem fäulniswidrigen Mittel, z. B. mit einer 4 5 prozent. Karbol⸗ ſäurelöſung, täglich mehrmals einzupinſeln. Indeſſen muß bei An⸗ wendung ſolcher Mittel die behaarte Haut geſchont werden, da dieſe durch ſolche Arzneien leicht zu ſtark gereizt wird. Eine erhebliche Nabelgeſchwulſt(Geſchwür) muß mitunter geöffnet werden, was aber durch einen Tierarzt geſchehen ſoll, da der Laie zuweilen Nabelbruch und Nabelgeſchwür mit einander verwechſelt, und er beim Einſchneiden in dem Bruchſack liegende Eingeweide verletzen kann. Es iſt überhaupt ratſam, bei Nabelentzündungen die Hilfe eines Sachverſtändigen in Anſpruch zu nehmen.

Vorbeugung. Schon bei der Geburt des Jungen muß darauf geachtet werden, daß dieſes nicht mit fauligen Stoffen, ins⸗ beſondere auch nicht mit Streu, die etwa durch fauligen Ausfluß aus der Scheide vernnreinigt iſt, in Berührung kommt. Zum Abbinden des Nabels iſt nur friſches, ſauberes und möglichſt in einer Karbolſäurelöſung desinfiziertes Material zu verwenden.

Beſondere Vorſichtsmaßregeln ſind erforderlich, wenn in einem Stall ſchon Nabelentzündungen aufgetreten ſind. Vor allem dürfen neugeborene Junge nicht in einen Raum gebracht werden, wo ſich an Nabelentzündung leidende Tiere befinden, oder wo ſich ſolche vor einiger Zeit aufgehalten haben. Wo einmal Anſteckungs⸗ ſtoffe, die Nabelkrankheiten verurſachen, vorhanden ſind, laſſen ſie ſich ſchwer entfernen. Sie halten ſich am eheſten in dem oft mit Fäulnisſtoffen verſchiedener Art durchſetzten Stallboden, und iſt dieſer daher möglichſt zu erneuern.

Tapken, Geburtshilfe. 2. Auflage. 10.