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Geburtshilfe : für Landwirte / bearb. von A. Tapken
Entstehung
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4 Bau und Verrichtungen des Beckens und der Fortpflanzungsorgane ꝛc.

hintere Offnung, der äußere Muttermund, in die Scheide, und deſſen vordere Offnung, der innere Muttermund, in die Gebärmutter⸗ höhle mündet. Man nennt den Gebärmutterhals oder den Kanal auch wohl kurz Muttermund. Dieſer iſt gewöhnlich feſt ge⸗ ſchloſſen; in geringerem Grade erweitert er ſich während der Brunſt, eine völlige Offnung erfolgt nur bei der Geburt.

Der Gebärmutterkörper, der beim Pferd eine Länge von etwa 14 cm, beim Rind von annähernd 3 cm hat, umſchließt die Gebärmutterhöhle. Nach vorn teilt ſich die Gebärmutter in zwei Äſte, die Hörner, die beim Pferd und den Wiederkäuern nur kurz, beim Schwein dagegen lang und von darmähnlichem

Ausſehen ſind. Der Fruchthälter wiegt beim nichtträchtigen Pferd nur etwa 1 ¼ kg. Die Eierſtöcke ſind ein Paar eiförmige beim Schwein

traubenförmige Körper, die in der Bauchhöhle, dicht hinter den Nieren ihre Lage haben. In ihnen befinden ſich zahlreiche Bläschen, die Eier, die Keime künftiger Früchte enthalten; die Eier ſind mit bloßen Augen kaum wahrnehmbar.

Die Eileiter ſind zwei enge, gewundene Röhren, die von den Eierſtöcken zu den Gebärmutterhörnern führen und dazu be⸗ ſtimmt ſind, Eier zum Fruchthälter zu leiten.

Die Milchdrüſe, auch Euter oder Geſäuge genannt, liegt an der unteren Bauchfläche. Das Euter beſteht aus paarigen Drüſen, die in ihrer Mittellinie zwar durch eine Scheidewand von einander getrennt ſind, aber doch eine zuſammenhängende Maſſe bilden. An der unteren Fläche jeder Milchdrüſe befindet ſich eine Zitze Strich oder Saugwarze und zwar bei der Stute, dem Schaf und der Ziege an jeder Seite ein Strich, bei der Kuh zwei und bei dem Schwein vier bis ſieben Zitzen. Namentlich bei der Kuh ſind häufig an der hinteren Fläche des Euters noch zwei kurze Zitzen, ſog. Afterzitzen vorhanden, welche gewöhnlich ver⸗ ſchloſſen ſind und keine Milch geben.

Das Gewebe der Milchdrüſen beſteht hauptſächlich aus Drüſen⸗ bläschen und Milchgängen, die von zahlreichen Blutgefäßen und Bindegewebe umgeben ſind. In den Drüſenbläschen bildet ſich die Milch, die durch die Milchgänge nach einer größeren Höhle, der Milchziſterne, geleitet wird. Dieſe befindet ſich in der Zitze, aus welcher die Milch durch den Milchkanal entleert wird. Beim Pferd hat jeder Strich zwei Offnungen, bei den Wiederkäuern und dem Schwein nur einen Milchkanal(Fig. 3).