Druckschrift 
Die Schafzucht : Rassen, Züchtung, Ernährung, Rentabilität und Krankheiten des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26 Erſter Teil. Raſſen, Züchtung, Ernährung uſw. des Schafes.

für das vordere und mittlere Drittel ein gehörig weiter Raum geſichert. Das ſehr ſichtbare Hervorſtehen der Hüft⸗ knochen zeugt einesteils für den nötigen Raum bei Entwick⸗ lung des Fötus im Muttertier; anderſeits ſpricht es für vollkommene Entwicklung der Hinterviertel(des wertvollſten Teiles des Schafes) und trägt zur Geräumigkeit des Rumpfes in dieſer Richtung bei. Das Hervorſpringen der falſchen Rip⸗ pen verleiht den Flanken Rundung, und der Schwertfortſatz des Bruſtbeines, der nach hinten hervorragt, ſowie die kräf⸗ tigen und dicken Bauchmuskeln bewahren die natürliche Ge⸗ ſtalt des Bauches, während ſie demſelben Stärke verleihen.

Zunächſt der geraden Linie des Rückens, der Rundung der Seiten und der Völligkeit der Flanken ſteht ein ebener Bauch nach unten an Wichtigkeit nicht nach. Ein Hängebauch ſieht zwar aus, als gebe er mehr Raum; er zeigt aber Schwäche der Bauchmuskeln und Unfähigkeit derſelben an, die über ihnen liegenden Baucheingeweide gehörig zu unterſtützen, was für eine richtige Verdauung weſentlich notwendig iſt. Schlim⸗ mer als alles dieſes iſt die dabei ſtattfindende Neigung, die Abfallteile auf Koſten wertvollerer zu vergrößern.

Die eben beſprochenen Punkte ſind deshalb ſo wichtig, weil ſie die Harmonie im Körperbau des Schafes, welche vom Kopfe, Halſe und Bauche weſentlich abhängt, bedingen. Zur weiteren Beurteilung gehört noch die Höhe des Tieres. Die Höhe eines Tieres, von der Klaue bis zur Spitze des Wider⸗ riſtes gemeſſen, ſoll entſprechend der Länge des Rumpfes

ſein von der Spitze des Buggelenkes bis zum Ende des Sitz⸗

beines. Beim Wollſchaf iſt das Verhältnis ein anderes als beim Fleiſchſchaf, weil durch die Länge des Rumpfes das Wollfeld und damit die Reichwolligkeit des Tieres beſtimmt

wird, während die Geſtalt des Fleiſchſchafes mehr abgerundete

Formen zeigen muß. Das Verhältnis der Höhe zur Länge des Rumpfes iſt beim Wollſchaf wie 12:18, beim Fleiſchſchaf wie 12:15 durchſchnittlich anzunehmen. Die Höhe der Beine von der Klaue bis zum Ellenbogen darf auch beim Wollſchaf nicht mehr als die Hälfte der Höhe von der Klaue bis zum Widerriſt betragen; die Schienbeine müſſen kürzer als der Oberarm und trocken und feſt im Knochen, unter dem Knie nicht ausgeſchnitten ſein. Die Beſchaffenheit der Haut, auf welche immer noch nicht genügende Rückſicht genommen wird,