Druckschrift 
Die Schafzucht : Rassen, Züchtung, Ernährung, Rentabilität und Krankheiten des Schafes, Wollkunde und technische Verarbeitung der Wolle / von Johannes Heyne
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Lehre von der Vererbung. 13

Auf dieſem Wechſel der Zähne beruht die Einteilung der Schafe in Altersklaſſen. Nach der Geburt heißt das Tier Lamm, nach dem erſten Zahnwechſel Zweiſchaufler, Jährling oder Zweizähner, nach dem zweiten Zahnwechſel Vierſchaufler, Zeitbock, Hammel oder Zeitſchaf(auch Zutreter); im Alter von 3 ½ bis 4 ½ Jahren wird es Sechsſchaufler, im fünften Jahre Achtſchaufler genannt. Vom ſechſten bis zum neunten Jahre nutzen ſich die Zähne ab, werden gelb und ſchartig und brechen mehr oder weniger ab; im zehnten bis zwölften Jahre ſind ſie alle bis auf einen Stumpf abgebrochen. Dieſes Alter erreichen nur ſehr wenige Schafe; die meiſten leben höchſtens bis zu neun Jahren. Nach dem Geſchlechte unter⸗ ſcheidet man die Schafe in männliche und weibliche; erſtere heißen Böcke, Widder, Schöpſe und Hammel; letztere werden Muttern, Gelt⸗, auch Göltſchafe genannt.

Die Lehre von der Vererbung.

Unter Vererbung verſtehen wir die übertragung von Eigenſchaften der Eltern auf die Nachkommen, eine Erſchei⸗ nung, die man alle Tage beobachten kann. Die Wandlungen in den Vererbungsgrundſätzen hier aufzuführen, würde zu weit führen; zuerſt ſchwur man auf die Konſtanztheorie, alſo daß eine Konſtanz in der Vererbung nur durch reinblütige Tiere, bei welchen eine Blutmiſchung niemals ſtattgefunden hat, zu erzielen ſei und daher dieſe nur für die Zucht ver⸗ wendet werden dürften. Der Konſtanztheorie wurde durch die Lehre der Individualpotenz der Todesſtoß verſetzt. Die Bezeichnung Individualpotenz deutet ſchon darauf hin, daß die Vererbung von den Eigenſchaften des Individuums und nicht von der Abſtammung desſelben abhängig ſei. Durch dieſe Lehre mußte der Konſtanztheorie das Ende bereitet werden; denn wenn die Abſtammung des Zuchttieres ohne Einfluß auf ſeine Vererbung und für dieſelbe nur ſeine individuellen Eigenſchaften maßgebend ſein ſollten, ſo ſtürzte das mit ſo vieler Mühe errichtete und mit Sorgfalt gepflegte Gebäude der Vererbung des reinen Blutes in ſich zuſammen. Je ver⸗ ſchiedener nun die Individuen in ihren Eigenſchaften waren, die in früheren Zeiten miteinander gepaart wurden, deſto mehr Rückſchläge kamen vor, und dieſe Rückſchläge, die Un⸗ ſicherheit in der Vererbung warfen die Theorie der Indi⸗