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2. Die angeſchwemmten Böden. 43
Mollgeſtein werden. Das Durgeſtein wird früher abgeſetzt, das Mollgeſtein, beſtehend aus Tonſchlamm, erdigem Kalk und Kieſel⸗ mehl, wird weiter und weiter getragen bis in das nächſte Seebecken.
Im weſentlichen wiederholen ſich dieſelben Vorgänge bei jedem Gebirgsbach. Ein lehrreiches Beiſpiel finden wir in der Umgegend von Interlaken, unter⸗ und oberhalb der Badeanſtalt Wilderswil, wo die abgerundeten, geglätteten und zuweilen*) nach Art der „Gletſchermühlen“ ausgehöhlten Kalk⸗ und Granitblöcke bei ent⸗ ſprechender Dicke eine Länge von 1—6 m erreichen und teils im Bett, teils am Ufer des reißenden Saxeten⸗Baches langſam, aber unaufhaltſam ihrer Zerſtörung entgegengehen. Bei dem Hochwaſſer vom 12. Juli 1909 hörte ich das Klappen der Geſteinstrümmer, die der toſende Bach mit ſich fortriß. Von Zeit zu Zeit ſtürzt neues Geſtein mit Donnergepolter von den himmelhohen Felswänden herab. Hier und da ſieht man zwiſchen zwei Blöcken und dem Ufer einen kleinen Buſen gefüllt mit Schlamm. Das meiſte Bodenmaterial aber treibt bei dem ſtarken Gefäll des Baches mit der von den Jungfraugletſchern herbrauſenden Lütſchine nach dem Brienzer See. Das ganze Bödeli,— ſo nennt man die ebne Wieſenfläche zwiſchen dem Brienzer und Thuner See, auf der Interlaken, Unterſeen, Matten, Bönigen, Gſteig, Mülinen und Wilderswil ſtehen,— es iſt nichts anderes, als ein zugeſchwemmter See. Die Verbindung und den Abfluß der genannten beiden Seen vermittelt die Aare, die aus dem Ober⸗ und Unteraargletſcher am Finſteraarhorn ent⸗ ſpringt, Bern und Aarau berührt, die Reuß und die Limmat auf⸗ nimmt, und als der weitaus waſſerreichſte Nebenfluß des Rheins bei Waldshut mündet.
Iſt das Geſtein im Waſſer löslich, wie der Nummulithenkalk, der Jurakalk und andere Kalkgeſteine, dann höhlt der Bach ſein Bett tiefer und tiefer bis 100 m und darüber. In der erwähnten
*) Im Gletſchergarten bei Luzern ſind derartige„Gletſchermühlen“ zu ſehen mit dem Mahl⸗ oder Reibſtein in der keſſel⸗ oder krugförmig aus⸗ gehöhlten Mühle. Man findet ſie noch heute hier und da in Tätigkeit, und nennt ſie richtiger und bezeichnender Bachmühlen. Denn der Mahl⸗ oder Reibſtein wird nicht durch den Druck eines Gletſchers, ſondern durch die Stoßkraft eines Baches in dem Felskeſſel herumbewegt, und wenn der Keſſel mit Schutt gefüllt wird, dann ſteht die Mühle ſtill.


