1. Die angeſtammten Böden. 35
fläche ſich raſch abkühlte und zuſammenzog, ſprang vft mit lautem Knall die Rinde ab.
Noch wirkſamer kommt dieſer Gegenſatz zwiſchen Wärme und Kälte im ſchweizeriſchen Gebirgsklima zur Geltung, wo die Temperatur oft unter den Gefrierpunkt hinabſinkt. Im Hoch⸗ gebirge wird die äußere und obere, der Sonne zugewandte Fels⸗ ſchicht durch die Sonnenſtrahlen viel ſtärker erwärmt, als das Innere. Die Wärme dehnt die Geſteinsmaſſe aus, und wenn das Geſtein aus verſchiedenen Mineralien zuſammengeſetzt iſt, ſo erfolgt eine verſchiedene Ausdehnung der einzelnen Beſtandteile und Kriſtalle. Wiederholt ſich das öfter, ſo entſtehen feine Riſſe, in die das Waſſer durch Haarröhrchenkraft eindringt, und wenn das Waſſer gefriert, wird das Geſtein durch das Eis auseinandergekeilt. Dabei entwickelt das zu Eis erſtarrende und ſich ausdehnende Waſſer eine ſo gewaltige Kraft, daß ihr kein Geſtein widerſteht.
Der Froſt ſchafft in unſeren Alpen immer neues Material für die Bodenbildung, er ſchafft in der Krume des Kulturbodens durch Zerſprengung der Geſteinstrümmer immer neue Nährſtoffe für die Pflanzen, und er leiſtet uns bei der Bodenbearbeitung einen un⸗ erſetzlichen Dienſt, indem er die zu feſt gefügten Bodenteilchen aus⸗ einandertreibt.
Das Waſſer ſpielt bei der Verwierung auch inſofern eine wichtige Rolle, als es die Beſtandteile der Mineralien und Geſteine aus dem feſten in den flüſſigen Zuſtand über⸗ führt. Schon reines Waſſer hat dieſe Kraft, wie jeder weiß, der im Laboratorium mit deſtilliertem Waſſer gearbeitet hat. Reines Waſſer, das nur aus Waſſerſtoff und Sauerſtoff beſteht, kommt aber in der freien Natur nicht vor. Auch das Regenwaſſer iſt nicht rein, es enthält außer dem Rauch und Staub und den Bakterien, die es aus der Luft niederſchlägt, eine ganze Reihe von Salzen. Eine noch größere Menge von Salzen führt das Quellwaſſer, das als„Mineralwaſſer“ beſonders wohlſchmeckend und heilkräftig iſt. Das gehört hier auch inſofern zur Sache, als das Mineralwaſſer durch die in ihm gelöſten Mineralbeſtandteile ſelbſt kräftiger löſend wirkt, als reines oder an Mineralſtoffen armes Waſſer. Durch ſeine Löſungskraft iſt beſonders kochſalzhaltiges Waſſer ausgezeichnet, indem das Chlornatrium die Löſung der ſchwerlöslichen ſchwefel⸗ ſauren und phosphorſauren Kalkerde befördert.
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