Dritter Abſchnitt. Der Anbau des Getreides.
23. Webbs bartloſe Gerſte. Wirft bei der Reife einen Teil der Grannen ab. Paßt wegen ihrer Steif⸗
halmigkeit beſonders für reiche, leicht Lagerfrucht erzeugende Böden. Korn ſpeckig; daher weniger zu Malz als zu Graupe zu brauchen.
Nachdem wir im allgemeinen Teil und beſonders auch in der vorſtehenden Überſicht der Gerſtenſorten auf die Anforderungen an Klima und Boden hingewieſen und dort auch ſchon über die Stellung in der Fruchtfolge, ſowie über die Beackerung S. 147 einige Andeutungen gemacht haben, bleibt uns hier noch übrig, zunächſt der
Düngung zu gedenken, die bei der Gerſte ein Punkt von be⸗ ſonderer Wichtigkeit iſt.
Die Wintergerſte verträgt auf ſchwerem Boden eine ſtarke Stallmiſtdüngung; bei ihr iſt es ſogar zuläſſig, den Dünger mit der Saat zugleich unterzupflügen.
Anders verhält es ſich mit der Som mergerſte, namentlich wenn ſie als Malzgut dienen ſoll. Bei ihr iſt eine friſche Miſtdüngung nur auf naßkaltem Boden am Platz, im übrigen möglichſt zu vermeiden. Man läßt die Sommergerſte daher gewöhnlich nach gedüngten Hack⸗ früchten(Rüben oder Kartoffeln) folgen.
Im beſonderen iſt zu enrhbel daß ſtarke Stickſtoffdüngungen zwar den Ertrag und den Proteingehalt der Gerſte erhöhen, aber den Stärkemehlgehalt herabdrücken und dadurch das Produkt zur Malz⸗ bereitung unbrauchbar und wertlos machen, von der Gefahr des La⸗ gerns ganz abgeſehen. Entweder düngt man alſo, wie Heine in Had⸗ mersleben, grundſätzlich gar nicht mit Stickſtoff, oder man beſchränkt ſich auf eine Verwendung von 60— 80 kg Chileſalpeter pro Hektar.
Die Qualität der Braugerſte ſteht in der innigſten Beziehung zum Proteingehalt. Je ſtärker die Stickſtoffdüngung, deſto ſtickſtoff⸗ reicher die Gerſte und deſto ſchlechter als Malzgut.
Bei den Verſuchen, die von 1883— 87 in der Provinz Sachſen ausgeführt wurden, hat ſich dies evident herausgeſtellt. Wir ver⸗ weiſen auf die Berichte von Maercker und heben hier nur einige Zahlen aus dem Bericht vom 18. September 1885 hervor.
Der Proteingehalt der Originalgerſten, verglichen mit dem der nachgebauten, ſtellte ſich wie folgt.
Saal' däniſche mähriſche ſlowakiſche
Gerſte a) Originalſaat... 8,10 7,70 7,70 7,70% Eiw. b) Nachbau mit 100 kg Chile⸗ ſalpeter.. 9,19 9,16 9,18 8,92„ c) Nachbau mit 200 ts Chite ſalpeter.... 9,48 9,56 9,78 9,59 n.
Mehrprotein gegen a) bei b) 1,09 1,46 1,48 1,22% Eiw. „„ G) 1,38 2,08 1,82
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