Der Roggen. 247
nicht. Die letzte Saat brachte nur eine Fruchternte, während die Saat von 1891 zwei Fruchternten geliefert hatte. Perennierend oder ausdauernd iſt demnach der neu entdeckte Roggen nicht; wenn man den gewöhnlichen Winterroggen, der Zeit von der Ausſaat bis zur Ernte entſprechend, als einjährig betrachtet, ſo kann man von jenem ſüdruſſiſchen Roggen höchſtens ſagen: Er iſt zweijährig.
Intereſſant iſt es nun, die erwähnten 3 Roggenarten miteinander zu vergleichen. Ich ſtelle zu dem Zweck die Zahlen zuſammen, die ich bei der Wägung der Körner ermittelte.
Gewicht von je 100 Körnern in Gramm.
Einjähriger gewöhnlicher Kulturroggen¹))..= 3,85 „Mehrjähriger“ ruſſiſcher Roggen*)..— 95 Ausdauernder wilder Bergroggen ³)....= 0,97.
Wie man ſieht, ſteht der neuentdeckte„mehrjährige“ Roggen im Korngewicht in der Mitte zwiſchen dem gewöhnlichen und dem Berg⸗ roggen. Ebenſo ſteht er in der Lebensdauer und in der Beſchaffen⸗ heit der Spindel in der Mitte, indem die Ahrenſpindel bei dem aus⸗ dauernden Bergroggen zerbrechlich, bei dem„mehrjährigen“ Roggen dagegen zähe iſt, wie bei dem einjährigen Kulturroggen.
Nach dieſen Thatſachen erſcheint die Annahme berechtigt, daß die 3 Arten ſich auseinander entwickelt haben, um ſo mehr, da es nach A. Regel in Centralaſien noch eine großfrüchtige Form des Berg⸗ roggens giebt. Somit würden wir jenen ruſſiſchen Roggen, der ver⸗ mutlich auch wildwachſend vorkommt, als die direkte und den Berg⸗ roggen als die indirekte Stammform unſeres Kulturroggens zu be⸗ trachten haben. Die Übereinſtimmung in der Benennung ſpricht auch dafür, daß unſer Roggen aus Rußland ſtammt, denn im Ruſſiſchen heißt der Roggen roz(rosch).
Iſt unſere Annahme zutreffend, ſo läßt ſich nach obigen Zahlen auch beurteilen, was die natürliche und künſtliche Zuchtwahl bei dem Roggen geleiſtet hat: ſie hat das Korngewicht der direkten Stamm⸗ form verdoppelt, der indirekten Stammform vervierfacht.
Der Roggen iſt für Deutſchland die wichtigſte Getreideart. Wir freuen uns, daß wir ihn haben und wollen ihn immer mit Liebe hegen und pflegen, denn er liefert uns unſer tägliches Brot und nebenbei ein vortreffliches Stroh.
überſicht der wichtigeren Sorten des Roggens.
— I. Winterroggen.
1. Johannis⸗Roggen. Stammt, nach Thaer, aus den ruſſiſchen Oſtſeeprovinzen. Scheint der ſüdruſſiſchen Stammform des Roggens nahe zu ſtehen. Im Juni geſäet, liefert er im Herbſt einen Grünfutterſchnitt und im nächſten Jahr eine
In Zürich gewachſen und 1890 geerntet.
Originalſaat von A. Regel aus dem Jahre 1890.
) In Zürich gewachſen und 1892 geerntet.
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