1. Die Getreidearten gehören in die Familie der Gräſer oder Gramineen. 15
Grasarten erreichen dieſes Ziel auf verſchiedenen Wegen, und demgemäß iſt die äußere Erſcheinung der Beſtockung nicht immer dieſelbe. Wir können folgende Arten der Beſtockung unterſcheiden.
a) Beſtockung durch unterirdiſche Ausläufer.— Erſtens hat die bereits erwähnte Rhizombildung ihren Anteil an der Beſtockung, indem ein Mutterſtock unterirdiſche Ausläufer(Rhizome, Schein⸗ wurzeln) ausſendet, die befähigt ſind, an jedem Knoten einen Tochter⸗ ſtock mit Wurzeln, Halmen, Blättern und Blüten zu entwickeln. In Wirklichkeit pflegt dieſe Entwicklung allerdings nur an einem Teil der Knoten einzutreten. Da jeder Tochterſtock dasſelbe Spiel wiederholt, ſo kann von einem Punkte aus im Laufe der Zeit eine große Fläche mit Pflanzen beſetzt— beſtockt— werden. Dieſe Art der Beſtockung kommt, wie bei der Quecke, ſo auch bei vielen anderen Gräſern vor, was wir weiter unten mit einer Reihe von Beiſpielen zu belegen ge⸗ denken.
b) Beſtockung durch oberirdiſche Ausläufer oder durch kriechende, wurzelnde und aufſteigende Halme.— Zweitens giebt es bei den Gräſern oberirdiſche Ausläufer, die dicht über dem Boden hinkriechend ſich ebenſo wie die Rhizome an jedem Knoten zu bewurzeln und zu beſtocken vermögen. Zuweilen werden dieſe Aus⸗ läufer über 5 m lang, meiſt bleiben ſie kürzer. Wo ſich die Pflanze ungeſtört entwickeln kann, ſenden die am Boden liegenden Schößlinge alljährlich eine Anzahl blühender Halme empor, die nach der Frucht— reife abſterben; daneben bleiben andere im unentwickelten Zuſtand in Reſerve für das folgende Jahr. Zugleich ſenden die alten Ausläufer immerwährend neue nach den Seiten aus, ſo daß auch auf dieſem Wege im Laufe der Zeit von einer einzigen Mutterpflanze aus eine große Fläche beſtockt werden kann. Stirbt der Hauptſtock der Mutter⸗ pflanze ſchließlich ab, ſo iſt durch die zahlreichen jungen Stöcke, die an den Ausläufern entſtehen, für die Erhaltung und Verbreitung der Pflanze geſorgt. Die Neubegründung von Kolonieen übernimmt der Same, der bei den hierhergehörenden Gräſern meiſt ſehr fein und leicht iſt, ſo daß er durch den Wind verweht werden kann. Beiſpiele folgen weiter unten.
c) Beſtockung durch Horſtbildung.— Drittens giebt es eine Reihe von Gräſern, deren Seitentriebe ſich nicht auf größere Entfernung ſeitlich verbreiten, ſondern am Fuße der Haupthalme als⸗ bald in die Richtung nach aufwärts einbiegen. Das Reſultat iſt die Bildung eines Horſtes.
In Bezug auf die Zeit der Entwicklung beſtehen bei dieſer Art der Beſtockung zwei bemerkenswerte Unterſchiede. Entweder kommen nämlich 1., alle Halme der Pflanze ſogleich im erſten Jahre zur Ent⸗ wicklung und nach der Fruchtreife zum Abſterben; dann haben wir es mit einem einjährigen Graſe zu thun. Fällt die Ausſaat in den Herbſt und die Fruchtreife in den nächſten Sommer, ſo iſt das Gras gleichfalls einjährig. Oder aber 2., ein Teil der Halme bleibt am Ende des erſten, des zweiten, des dritten Jahres u. ſ. f. im unent⸗


