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Über Wollhandel und Wollmanufaktur in Grossbritanien von frühester bis auf gegenwärtige Zeit : nach amtlichen Urkunden / von Cäsar Moreau
Entstehung
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Die Einwohner Melita's(Malta), welches eine carthaginenſiſche Kolonie war, beſaßen eine betraͤchtliche Manufaktur ſehr feiner, weißer Tuche; Colchis, in Thracien, lieferte Wolle von einer beſonders ſchoͤnen Qualitaͤt, und bei weitem koſtbarer, als das goldene Vließ, welches Jaſon und ſeine Gefaͤhrten aus dieſem Lande geholt haben ſollen.

Die Gegend um Laodicea, in Phrygien, lieferte vorzuͤgliche Wolle, wovon ein Theil ganz ſchwarz von Natur war.

Miletus, in Caria, beſaß eine Heerde Schaafe, deren Wolle aller uͤbrigen vorgezogen wurde. Daſelbſt war auch eine betraͤchtliche Manufaktur von Wollenwaaren, wovon diejenigen, welche mit Purpur aus Tyr gefaͤrbt waren, ſehr hoch geſchaͤtzt wurden.

Die natuͤrlichen Vorzuͤge Spaniens waren ſo groß(A. D. 14.) und ſo verſchiedener Art, daß Plinius ſie denen Italiens zur Seite ſtellt, und da dies ein Italiener ſagt, ſo kann man annehmen, daß Spanien als das erſte Land Europa's, ſowohl wegen ſeines Bodens, ſeines Kli⸗ ma's, als ſeiner Produkte aller Art, geſchaͤtzt wurde.

Der ſuͤdliche Theil Spaniens, Baͤtica genangt oder Turdetania, hatte das Anſehen eines großen Gartens.

Die ſpaniſchen Voͤlker, welche, wie Autoren ſagen, vor A. D. 14. große Quantitaͤten Wol⸗ lentuche exportirten, mußten nun dieſen Zweig der Manufaktur aufgeben, um ihre rohe Wolle den Roͤmern zuzufuͤhren, welche die Manufaktur ihren eigenen Sklaven uͤbertrugen.

Zu dieſer Zeit hatten die Briten eine Art Wolltuchmanufaktur, wie es aus Caͤſar's Bemer⸗ kung hervorgeht, indem er anfuͤhrt, daß die entfernteren und weniger civiliſirten Briten in Fellen gekleidet gingen, und daß die naͤher wohnenden und civiliſirteren Briten Kleider von einer beſſe⸗ ren und bequemeren Art trugen, was ſchwerlich etwas anderes als Wollentuch ſeyn konnte, welches in ſeinem verbeſſerten Zuſtande lange der groͤßte und Lieblings⸗Manufaktur⸗Gegenſtand Englands geblieben iſt.(Caes. Bell. Gall. L. IV. c. 33. Tac. Vit. Agric. cc. 12. 35.)

73. Plinius nennt noͤrdlich des Ganges ein ſehr großes Inſelland, Namens Thina, von wo aus Wolle(vielleicht die beruͤhmte feine Thibetwolle) uͤber Land durch Bactria bis Barygaza gebracht wurde.

296. Eumenius bemerkt(in ſeinem Panegyricum uͤber Conſtantius), daß zu dieſer Zeit ein großer Ueberfluß an Wolle in Britannia Statt fand, was auch einige andere Autoren bemerken.

314. York, London und Glouceſter waren wahrſcheinlich zu jener Epoche die vorzuͤglichſten Staͤdte vom roͤmiſchen Britannien, wo ein Wollmarkt zu verſchiedenen Zeiten des Jahres gehal⸗ ten wurde(Usserii British ecles. antiq. a. Spcl. Couns. Britain).

500. Ein gewoͤhnlicher irlaͤndiſcher Anzug beſtand aus einem Mantel(paplum, pallium, sagum), mit vielen Farben verziert, und welcher wahrſcheinlich aus britiſchen Manufakturen kam. (Adamii L. III. c. 1.)

947. Zu dieſer Zeit fingen die Wollenmanufakturen in Flandern an, waͤhrend mehrerer Jahr⸗ hunderte zu bluͤhen und ſtets zu ſteigen; waͤhrend dieſer Zeit war der groͤßte Theil des Tuchhan⸗