— 33—
Die verschiedenen Knochen des Thieres sind theils auf unbewegliche Weise mit einander verbunden, z. B. durch Näste(wie an dem Kopf s. Tab. VI. Fig. 4), theils aber auf bewegliche Weise d. h. Gelenke. Ueberall, wo Knochen- Enden Gelenke bilden, sind die beweglichen Oberflächen mit einer dünnen Knor- pelschichte überzogen, welche die Stärke des Stosses zu vermindern bestimmt ist; auch sind alle Gelenke mit einen cylindrischen Sack(Gelenk-Kapsel) um- geben, welcher eine gelbliche, dem Eyweiss ähnliche, sehr schlüpfrige Flüssig- keit,(Gelenkschmiere, Glied-Wasser) enthält, die zur Verminderung der Rei- bung dient, ganz wie die Wagenschmiere an einem Rade. Ausser der Gelenk- Kapsel sind die meisten Gelenke noch mit verschieden geformten, immer aber weissen, seideähnlichen Strängen von grosser Zähheit versehen, welche das Aus- gleiten(Verrenken) der Knochen verhüten und von den Anatomen„Bänder“ ge- nannt werden. Die Ausdehnung dieser Organe(Verstauchung) spielen unter den Krankheiten des Pferds eine bedeutende Rolle, und sind meist mit langdauernden Schmerzen bei der Bewegung(Hincken, Lahmgehen) verbunden. Die gänzliche Zerreissung solcher Bänder zieht gewöhnlich die Ausrenkung des Knochen nach sich und macht das Thier meist unbrauchbar.
Die beweglichen Knochen-Verbindungen, oder mit Einem Worte:„die Ge- lenke“ sind in Absicht auf Art und Ausdehnung ihrer Beweglichkeit sehr ver- schieden, man unterscheidet daher: 1) das freie Gelenk, wenn die Bewegung in mehreren Richtungen möglich ist, also vor und rückwärts, ein- und auswärts, Tab. III wie z. B. der Hinterfuss bei seiner Verbindung mit dem Becken; 2) das Wech- Fig. I. K. sel Gelenk(oder Charnier-Gelenk), wenn die Bewegung blos in einer Richtung z. B. vor- und rückwärts(wie bei den meisten Knochen der Gliedmassen) geht; 3) das Dreh-Gelenk, wo ein Knochen sich um einen andern drehen kann, wie der erste Hals-Wirbel um den zweiten; 4) Schieb-Gelenke, wo die Gelenkfläche der Knochen aufeinander gleiten, wie die Kniescheibe auf dem Bakbein; end- Fig. I. m“. lich 5) straffe Gelenke, wenn die Bänder des Gelenks so kurz und straff sind, Fig. I. P. dass sie eine kaum merkliche Bewegung zulassen, z. B. die Knochen des Knie- und p. und Sprung-Gelenks unter sich.
So ist auch die Beweglichkeit der Knochen, die durch Bandfasern oder durch Knorpelschichten mit einander verbunden sind,(wie die Wirbelbeine un- tereinander, Griffel und Schienbeine u. s. w.) blos insofern möglich, als diese Substanzen elastisch sind; jedenfalls ist die Bewegung äusserst eingeschränkt.
Die Knochen bilden das Gerüste und die Stüzen des ganzen Thierkörpers, sie dienen den weichen Theilen zur Befestigung, oder zum Schutze, und be- vergl. stimmen meistens die Formen der äusseren Theile, deren Grundlage sie bilden. Tab. III.
Die Betrachtung des Pferdeskelets ist vorläufig auf das Allgemeine be- schränkt, da die genauere Untersuchung einzelner Knochen füglicher bei der
Beschreibung derjenigen Parthieen geschieht, zu denen sie gehören. Die Basis 5


