EXTERIEVU R.
Dritte Vorlesung.
Literatur-Geschichte.— Eintheilung des Pferdekörpers, Verhältnisslehre,
Maass.„
Bereits in den ältesten Schriften, welche auf uns gekommen, wie in den Werken Homers(Hesiod's, Herodot's, Pindar's u. a. m., findet man einzelne Eigenschaften der Pferde erwähnt, welche entweder als vorzüglich oder als feh- lerhaft betrachtet wurden. Auch das Buch Hiob enthält(Cap. 39) die Beschrei- bung eines vortrefflichen Pferdes. Ebenso erwähnen die ältesten thierärztlichen Schriftsteller, von welchen Bruchstücke sich erhalten haben, wie Melampus, Simon von Athen, Pelagonius, Hippocrates(† 370 J. vor Chr.), Herophilus(der erste equarius medicus, 307 J. v. Chr.) u. A. mehrerer äuſserlicher Gebrechen, ohne sich aber auf mehr als eine unvollständige Beschreibung derselben und einige Recepte dagegen einzulassen. Aus der Zeit vor der christlichen Zeitrech- nung ist nur Eine Abhandlung übrig, welche auf Kenntniſs und Beurtheilung der Pferde Bezug hat, nehmlich
Xenophon's*) Buch über die Reitkunst(eee fzrune Xo-s). Von diesem Werke besitzt man mehrere Uebersetzungen in die neueren Sprachen, darunter die von Jacobs(Gotha 1805. 8.) die neueste und vollständigste ist. Xenophon gibt zu- erst die Regeln an, welche beim Ankauf von Reitpferden, so wie bei Erziehung und Beurtheilung der Fohlen zu beachten sind, ferner wie die Pferde für den Krieg abzurichten und im Stalle zu warten seyen und endlich wie man zu Pferde fechten soll. Dabei sind die äuſseren Gebrechen selten erwähnt, sondern es ist mehr auf das Temperament und die Stellung des Thiers Rücksicht genom- men, im Allgemeinen aber die Natur treu beobachtet und richtige Schlisse daraus gezogen. Daſs man an den Zähnen das Alter der Pferde erkennen könne, war Xenophon bereits bekannt*).
*) Xenophon starb 359 Jahre vor Chr. 42) s. Cap. 3.„„ein Pferd, das keine Runden mehr hat, berechtigt weder zu erfreulichen Hoffnungen, noch kann man es leicht wieder verkaufen.“


