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Reise durch die östlichen Bundesstaaten in die Lombardey und zurück über die Schweiz und den oberen Rhein, in besonderer Beziehung auf Völkerkunde, Landbau und Staatswirthschaft / von C. F. von Rumohr
Entstehung
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bringen, noch mehr den Fruchtbäumen und Reben. Als ich zu Baſel verweilte, ſah ich abends ſieben Uhr das Thermo⸗ meter im Gaſtzimmer immer noch auf ſieben und zwanzig Grad Réaumur ſtehen; am nächſten Morgen hingegen und bis gen Freyburg litt ich, obwohl feſt eingehüllt, von ſehr empfind licher Kälte. Das ganze weite Rheinthal war in Folge von Gewittern, die im Odenwalde ſich entladen hatten, innerhalb weniger Stunden zu einer um etwa fünfzehn Grad niedrigeren Temperatur ubergegangen, was oft genug ſich wiederholen mag. In der That fand ich von der Schweiz bis in die Ge⸗ gend von Heidelberg alle jene unzähligen Obſtbäume von Früchten entblößt; woraus ich ſchloß, daß in dieſen offenen Gegenden ein Wechſel, wie der bemerkte, in der Blüthenzeit, auch des Getraides, ſehr ausgedehnte Verheerungen anrichten müſſe, denen verſtreute Frucht und Waldbäume möchten vor⸗ beugen können. Indeß läugne ich nicht, daß im mittlen und oberen Deutſchland die Bildung des Landes ſehr gebieteriſch auf gegenwärtig beſtehende Eintheilung hinzuweiſen ſcheint. Ein ſo großer Theil des Landes beſteht in ſterilen Hochflächen und in ſtumpfem Mittelgebürge, daß, um hinreichenden Acker⸗ boden zu haben, man darauf kommen mußte, die milderen Thalebenen ganz zu öffnen und dem Ackerbau ſie ausſchließlich zu widmen. An welchen Stellen, und in welcher Art man künftig von dieſer Einrichtung wiederum abgehen werde, iſt nicht wohl im voraus zu beſtimmen. An vielen aber möchte es beym Hergebrachten bleiben ſollen. Denn nicht leicht wird von beſonnenen Leuten, was überwiegend gut iſt, um eines Nachtheils willen abgeſtellt werden.

Vor Emmendingen glaubte ich wahrzunehmen, daß ein Paar niedrig belegene Stücke mit herrlichem Türkenkorn und wohlgerathenem Hanf aus dem nah' daran hingeleiteten Zu⸗ flußgraben bewäſſert worden ſeyen. Doch ward es von den