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Reise durch die östlichen Bundesstaaten in die Lombardey und zurück über die Schweiz und den oberen Rhein, in besonderer Beziehung auf Völkerkunde, Landbau und Staatswirthschaft / von C. F. von Rumohr
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wenn es möglich wäre, ſogar die Schweiz in ihren Kreis ziehen ſollte.

Ehe wir unſere Wanderung antraten, erquickte und ſtärkte mich Profeſſor Schreiber durch einen trefflichen rothen Wein von naher Lage. Behaglich ward dabey der edle Gegenſtand des Weinbau's beſprochen, das Verdienſt ſolcher Lagen ge würdigt, welche auf die Anerkennung des Kenners einen wohl gegründeten Anſpruch haben. Der Weinbau hat beſonders im Markgrävler Gebiete neuerlich ſich gehoben, wo einzelne Bauern bis auf eine halbe Million an Geld und Gut beſitzen, daher im Stand ſind, ſowohl das Geſchäft auszudehnen, als das Product zu beſſern.

Im Dom ward all und jegliches beſehen und bewundert. Man hat aus dieſem Gebäude entfernt gehalten, was den Ge ſammteindruck hätte ſtören können, hingegen darin viel Ord nung und Reinlichkeit gemacht, was ihm ein heiteres und neues Anſehn gibt. Das Altargemälde von Hans Baldung, leichtlich deſſen Hauptwerk. Er war ein nürnbergiſches Propf⸗ reis auf dem ſchon abſterbenden Stamme der alten anmuth vollen oberrheiniſchen Schule. Unſtreitig ein Maler voll Ta⸗ lent und Geiſt. Doch wüßte ich nicht, weßhalb er mir ge fallen ſollte. Das Fenſtergemälde in einer Seitencappelle von, oder nach Baldung, würde mir um einiges beſſer zu ſeyn ſcheinen, wenn über Meiſter dieſer Art mir ein Urtheil zukäme.

Andere Merkwürdigkeiten, Handſchriften, Münzen, Ge mälde, wurden bey Herrn Domcapitular und Profeſſor Hug in Augenſchein genommen. Dieſer werthe Freund hatte das Andenken an unſeren früheren lebhaften Umgang feſtgehalten, wendete mir daher noch immer viel Gunſt und Liebe zu.

Eine wohlangelegte vorgothiſche Kloſterkirche war kürzlich im nahen Gebürge abgetragen, das Material in die Stadt geführt und unter der Leitung des Architecten, Herrn Profeſſor

Hübſch