Teil eines Werkes 
Dritter Band (1811)
Entstehung
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Die Ackerwerkzeuge. 37

Steht der Baum vorne zu hoch, oder iſt die Griesſaͤule zu lang, ſo bekommt das Schaar eine zu ſtarke Tendenz in den Boden, der Pflug geht, wie ſich der Bauer ausdruͤckt, auf der Naſe; ſteht er zu niedrig, oder iſt die Griesſaͤule zu kurz, ſo geht die Tendenz des Schaars aus dem Boden heraus, und man ſagt, der Pflug gehe auf dem Hacken. Er muß aber horizontal, oder eigent⸗ lich mit der Oberflaͤche der Erde, vorn und hinten in der Tiefe, wo er eingeſetzt worden, parallel ge⸗ hen. Es kann dieſes zwar bei dem Raͤderpfluge durch die hoͤhere oder niedrige Lage des Pflugbaums auf der Lichte oder durch deſſen Verkuͤrzung oder Verlaͤngerung, bei dem raͤderloſen Pfluge durch die Veraͤnderung des Punktes, wo die Zuglinie an der Spitze der Pflugbaums befeſtigt iſt, oder durch eine andere Richtung dieſer Zuglinie gehoben werden. Allein die Hebung des Baums wirkt dann ſei⸗ ner Tendenz im Erdboden entgegen, und das Schaar macht keinen horizontalen Schnitt, ſondern kratzt mit ſeiner Schaͤrfe, und die Laſt wird dadurch dem Zugviehe ungemein erſchwert. Deshalb pflegt bei den Raͤderpfluͤgen die Griesſaͤule in dem Pflugbaum nicht feſt eingezapft, ſondern nur verkeilt zu ſeyn, und auch das hintere Ende hat Beweglichkeit an dem Sterz, um den Pflug umkeilen zu koͤnnen. Hier pflegen aber die Pflugfuͤhrer zur groͤßten Laſt des Zugviehs leicht eine falſche Verkeilung vorzunehmen, und dem Schaar eine zu ſtarke Tendenz in dem Boden zu geben, weil ſie alsdann ſicher ſind, daß ih⸗ nen der Pflug nicht aus dem Lande herausſpringe. Zu tief ins Land kann ihnen deſſen ungeachtet der Pflug nicht gehen, weil der Baum vorn auf dem Pfluggeſtelle ruht. Er druͤckt dann aber mit großer Gewalt auf dieſes Pfluggeſtell, und erſchwert die Laſt dadurch noch mehr. Dies kann ſo weit gehen, daß der Baum da, wo die Zugkette angebracht iſt, in ſchwerem Boden brechen muß. Beim Naͤder⸗ pfluge bemerkt man dieſe folſche Stellung des Pflugbaums nicht ſo leicht; beim raͤderloſen Pfluge fuͤhlt man ſie ſogleich, und es wird dem Fuͤhrer hoͤchſt beſchwerlich, ihr entgegen zu wirken.

Die Laͤnge des Baums iſt ſowohl bei dem Raͤder⸗ als raͤderloſen Pfluge verſchieden. Je laͤnger er iſt, oder je entfernter der eigentliche Zeitpunkt von dem Koͤrper des Pfluges, um deſto ſtaͤter geht der Pflug, weil naͤmlich bei einer ſehr kleinen Verruͤckung des Schaars die Spitze des Baums ſchon einen ſo viel groͤßern Bogen machen muͤßte. Allein durch ſeine Laͤnge wird auch der Baum ſchwaͤcher, und je laͤnger er iſt, um deſto ſtaͤrker muß er ſeyn. Der Baileyſche Pflug hat einen viel laͤngern Baum als der Smalſche. Dies iſt eine zweite Urſache, warum der letztere der Ausweichung weit ſtaͤr⸗ ker ausgeſetzt iſt, und er muß auch deshalb in ſeinen Verhaͤltniſſen ſo ſehr genau conſtruirt ſeyn, weil die Kraft des Zuges um ſo weniger einen Fehler der Direktion verbeſſern kann. Es wird aber auch durch keine Gewalt der Baum an dieſem Pfluge brechen koͤnnen, wie es doch wohl beim Bailayſchen moͤglich iſt. Beim Naͤderpfluge iſt der Pflugbaum gewoͤhnlich laͤnger, als man ihn in der Regel ge⸗ braucht, und er ſteht uͤber das Vordergeſtell noch betraͤchtlich hinaus. Der Punkt, womit der Baum auf dem Geſtelle liegt, kann nach Willkuͤhr vom Pflugkoͤrper mehr entfernt oder ihm naͤher gebracht werden. Im letztern Falle wird dadurch die Spitze des Pfluges gehoben, im erſtern mehr geſenkt. Er hat naͤmlich verſchiedene Loͤcher, wo mittelſt eines eingeſteckten Pflocks oder Nagels der Ring der Zugkette befeſtigt wird.

Der Pflugbaum hat ſeitwaͤrts nicht dieſelbe Richtung, wie der Pflugkoͤrper, ſondern weicht etwas weniges rechts aus. Die Direktion des Pfluges faͤllt zwiſchen dieſen beiden Linien. Waͤre die gerade Seite des Pfluges ſo gerichtet, daß ihre fortgeſetzte Linie auf die Spitze des Pflug⸗ baums zuginge, ſo wuͤrde das Schaar nicht in der Richtung der abzuſchneidenden Furche fort, ſondern immer aus dem Lande herausgehen. Wenn dieſe Abweichung nicht richtig getroffen wird, ſo kann es, wenn ſie zu geringe iſt, bei dem Naͤderpfluge freilich dadurch gezwungen werden, daß man den Pflug⸗ baum ganz an die linke Seite des Geſtelles hinlegt, bei dem raͤderloſen Pfluge, indem man die Zug⸗ linien in das außerſte Loch der rechten Seite des Stellungsbuͤgels befeſtigt. Es iſt aber immer ein Fehler, welcher dann die Steulung des Pfluges etwa zu breitern Furchen unmoͤglich macht. Da der

Dritter Theil. E