Teil eines Werkes 
1 (1797) Handbuch der Land-Bau-Kunst, vorzüglich in Rücksicht auf die Construction der Wohn- und Wirthschafts-Gebäude für angehende Cameral-Baumeister und Oeconomen. 1
Entstehung
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6 Einleitung.

Wir ſind um ſo mehr Buͤcher uͤber die Architektur benoͤthiget*), weil man nur in Abſicht auf die ſchoͤnen Verhaͤltniſſe fuͤrs Auge, einen Band auf den andern gehaͤuft hat, ohne doch einmal daruͤber einig werden zu koͤnnen. Alles uͤbrige iſt ſo zu ſagen, noch erſt abzuhandeln. Man hat ohne Aufhoͤ⸗ ren ſchwankende Spekulationen aufgeſtellt, theils aufgefuͤhrte, oder bloß entworfene Gebaͤude, theils aber eigene Meinungen als Regeln bekannt gemacht, unterdeſſen daß der nuͤtzlichſte, nothwendigſte und weſentlichſte Theil der Baukunſt, mit einem Worte, die Konſtruktion nur leicht beruͤhrt worden iſt. Wir haben kein gruͤndliches Werk uͤber dieſe Materie, worin man ſich bemuͤhet haͤtte, diejenigen Entdeckungen mitzutheilen, welche nach und nach gemacht worden ſind, oder worin erzaͤhlt wird, wie man vorgefallene Schwierigkeiten gehoben haͤtte, und wie man im Bauen bei erheblichen Werken dennoch ſparſam zu Werke gehen muß. Man wird daher bemerken, daß wegen der Unwiſſenheit, worin man ſich beſtaͤndig in Ruͤckſicht deſſen befindet, was ſchon vorgaͤngig geſchehen iſt, man ſtets zu neuen Verſuchen ſchreiten muß.* 1 Ich habe es demnach verſucht, dieſe bei uns ebenfalls anzutreffende Luͤcken fuͤr angehende Baumeiſter, in Abſicht der oͤkonomiſchen und andern mittelmaͤßigen ſtaͤdtiſchen Gebaͤude einigermaßen auszufuͤllen..

Jedes Land und oͤfters jede einzelne Provinz hat freilich ſowohl in Abſicht der Einrichtung als der Konſtruktion der Gebaͤude eine eigene Weiſe zu bauen, je nach⸗ dem die beſonderen Beduͤrfniſſe des Orts, oder eine lange Gewohnheit ſie hierin leitete; und auch in dieſen Blaͤttern habe ich freilich die, in den meiſten Koͤnigl. Preußiſchen Provinzen eingefuͤhrte, muſterhafte Bauart zur Richtſchnur genommen, bin aber uͤberzeugt, daß es demjenigen, der die Prinzipien derſelben wohl gefaßt

*) Es ſcheint als wenn die Franzoſen in Abſicht der dkonomiſchen Baukunſt viel weiter zurück ſind, als wir, denn ich fand folgendes in der Decade philofophique, litteraire et politique N. 50. 3. année republicaine. S. 462. Landgebaͤude. Wir haben mit Misvergnägen bemerkt, daß keiner der ͤber dieſen wichtigen Gegenſtand eingereichten Entwuͤrfe, die Ehre der Ausfuͤhrung auch nicht einmahl im Modell, verdiente. Zwei Kuͤnſtler erhielten nur die geringſten der ausgeſetzten Geldpreiſe; es waͤre Zeit, daß unſere Baukunſtler ſich endlich der wirthſchaftlichen Baukunſt befleiſſigten. Es iſt eine neue Laufbahn, die man ihnen erdfnet. Der Zeitpunkt iſt vielleicht nicht mehr entfernt, wo die allgemeine Achtung demjenigen nicht weniger zu Theil werden wird, der ſich befleiſſiget, Eeühnder und bequemere laͤndliche Gebaͤude zu erbauen, als dem, der Tempel und Pallaͤſte entwirft.

Auch die ſamt den dazu gehoͤrigen Riſſen in 40 gedruckte Schrift unter dem Titel la Ferme, (das Vorwerk) vom Herrn Cointeraux Profeſſor der Landbaukunſt, welche den 28. Decbr. 1789. von der Societaͤt des Ackerbaues zu Paris, den Preiß erhielt, iſt ſelbſt in Ruͤckſicht auf die dortige wirthſchaftliche Verfaſſung, ein ſehr mittelmaͤßiges Produkt.