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Ueber den gegenwärtigen Stand der Merinos-Schaaf-Zucht ... besonders in Europa : nebst einer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll-Handels / von J. Ph. Wagner
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132 XXIX. Ausſichten auf das naͤchſte Schur⸗Jaht.

haben wir immerhin Engl. Fabrikanten auf den Deutſchen Maͤrkten zu erwarten. Die unverkauft gebliebenen min⸗ der qualifizirten Vorraͤthe koͤnnen ihnen auch um 50 Pct. billiger den Vortheil dort nicht gewaͤhren, welchen ſie hier bei einem Abſchlag von nur 20 Pet. der letzten Preiſe bei friſcher und guter Waare aus der erſten Hand oder auf Commiſſions⸗Lagern geſichert finden.

Die Wolljagd auf dem Feſtlande ſeit dem Oktober 1833 bis zum Februar 1834, beſonders in den von den Maͤrkten entlegenſten Gegenden der Strich zwiſchen der Weichſel und Memel ward der vorzuͤglichen Wolle wegen ſchon Ende November faſt gaͤnzlich geraͤumt laͤßt ſich aus dem einſeitigen Grunde einer ausgedehn⸗ teren Speculation nach den anderen Welttheilen nicht wohl erklaͤren. Denn auch Farbeſtoffe, Baumwolle und Seide wurden zu gleicher Zeit zu Zielpunkten gemacht, und die letzte in einem Augenblick, wo die Seidenwaa⸗ ren im Preiſe ſanken, auf 40 50 Prozent hoͤher ge⸗ trieben. Es haͤtte ſelbſt nicht planmaͤßiger angelegt wer⸗ den koͤnnen, wenn irgend eine Verbindung die Abſicht gehabt haͤtte, alle bei dieſen Artikeln betheiligte Klaſſen in Unruhe, Verlegenheiten und Gefahr ihrer Subſiſtenz zu ſetzen. So aber duͤrſte nur anzunehmen ſein, daß eine verfehlte Ausſicht auf Krieg den erſten Anſtoß da⸗ zu gegeben habe, und der Strom der Menge kennt keine andere Motive als Nachahmung. Indeſſen muß man aber auch geſtehen, daß bei aller liberalen Publicitaͤt im Großverkehr kein Artikel mehr im Dunkeln gehalten wird, als gerade Wolle.

(Geſchrieben im November 1834.)

Gedruckt bei C. Feiſter.