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Ueber den gegenwärtigen Stand der Merinos-Schaaf-Zucht ... besonders in Europa : nebst einer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll-Handels / von J. Ph. Wagner
Entstehung
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124 XXVII. Vorfaͤlle nach den Woll⸗Maͤrkten.

In Frankfurt an der Oder fand das Mitteltuch, in Braunſchweig alle Tuchlager der Fabriken aus dem Regierungs⸗Bezirk Duͤſſeldorf raſchen Abſatz. Auf der verwichenen Michaelis-Meſſe zu Leipzig wurde ſchon in den erſten Tagen von Tuch Alles weggeraͤumt. In der Fabrikſtadt Huͤckeswagen des genannten Bezirks wurden die Lager ſelbſt aufgeſucht.

Die Thaͤtigkeit der Fabriken wurde demnach fort waͤhrend unterhalten, wozu die Freigebung des Deutſchen Binnen⸗Handels ebenfalls das ihrige beitrug.

In Burg glaubte man nicht mit den Woll-Vor raͤthen ausreichen zu koͤnnen.

Daß ſich im Laufe des Sommers das Verhaͤltniß des Bedarfs an Wolle zu den Vorraͤthen nicht anders geſtellt, ſondern eher geſteigert haben mochte, bewieſen die letzten Wollmaͤrkte im Oktober. In Brieg wurden 80 Centner zweiſchuͤrige Wolle im Durchſchnitt zu 67 Thlr. verkauft. Im vorhergehenden Jahre war der Preis ſogar 76 Thlr. geweſen. In Bautzen kamen

2789 Stein à 22 Pfd. zu Markt, und 410 Stein

nehen nur uͤbrig. In Breslau fanden ſich 19800 Centner, darunter ge⸗ gen 5000 Centner inlaͤndiſche, die uͤbrige auslaͤndiſche Wolle zuſammen, worunter gemeine Wolle mit 48 bis 53 Thlr., die ein⸗ und zweiſchuͤrige veredelte aber mit 65 bis 75 Thlr., und hochfeine zweiſchuͤrige mit 80 bis 85 Thlr. bezahlt wurde. Wie viel davon unverkauft geblieben war, war noch nicht bekannt.

Es iſt zweifelhaft, ob nach dem allgemeinen Ver⸗ luſt der Heerden durch die fruͤheren naſſen Jahre, wel

chem jedes Land unterlag, im laufenden Jahre in der

Koͤnigl. Preuß. Monarchie mehr als 10 Millionen Schaafe uͤberhaupt zur Schur gekommen ſein moͤgen.