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Ueber den gegenwärtigen Stand der Merinos-Schaaf-Zucht ... besonders in Europa : nebst einer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll-Handels / von J. Ph. Wagner
Entstehung
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120 XXIV. Vorgaͤnge vor den Woll⸗Maͤrkten.

ſuͤdlichen Kuͤſten des mittellaͤndiſchen hatten Kriege, und im noͤrdlichen Europa unguͤnſtige Witterung mehrerer Jahre die Heerden vermindert, Ruͤſtungen die Vorraͤthe weggeraͤumt, und neue Speculationen warteten nach der Beſchraͤnkung der Engliſch-Oſtindiſchen Compagnie auf neue Unternehmungen nach Aſien.

In der Neujahr⸗Meſſe zu Leipzig wurden ziemlich große Partien wollner Zeuge fuͤr Amerika gekauft.

Von den Fuͤrſtlich⸗Eſterhazyſchen Guͤtern war die Wolle von 190,000 Koͤpfen zu dem Preiſe von 120 Thlr. Cour. verkauft, auf 19 Stuͤck 40 Pfd. Wolle gerechnet, und die von den Herrſchaften des Erzherzogs Carl ſchon auf 1835 verkauft.

In Oſtpreußen war faſt kein Centner mehr zu ha⸗ ben. Die Jagd nach dieſer Wolle von der Weichſel an bis zur Memel war ſchon im November ſo groß, daß ein Kaͤufer allein 70 Unterhaͤndler ausgeſandt haben ſoll. Schon im Februar galt die Engliſche Langwolle zu Lon don, anſtatt ſonſt ¾ Schilling, jetzt 2 Schilling. Die⸗ ſes Steigen war mit eine Folge der Freigebung der Ausfuhr dieſer Wolle aus England.

Auf der Februar⸗Meſſe in Braunſchweig wurden alle reichen Tuchlager geleert, doch noch zu keinen der Wolle angemeſſenen Preiſen.

Im Maͤrz, auf der Meſſe zu Frankfurt an der Oder, ging das ordinaͤre Tuch gut ab, die uͤbrigen Sorten aber weniger, weil bekanntlich im Laufe des Winters ohne dringende Umſtaͤnde keine großen Reiſen unternom⸗ men werden. Dagegen wurde von 4000 Centner Wolle vieles, und zu hohen Preiſen verkauft.

Um dieſelbe Zeit kam noch viele Wolle aus Oeſter reich nach Leipzig, wo die Wollſortirer unbeſchaͤftiget waren, wie oͤffentliche Blaͤtter meldeten.