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Anleitung zum praktischen Wiesenbau : mit besonderer Berücksichtigung des Zustandes und der Bedürfnisse der norddeutschen Wiesenwirthschaft / entworfen von Alexander von Lengerke
Entstehung
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aller zeitherigen Methoden, Regeln und Grundſätze in unſerem Ge⸗ weerbe erinnerlich ſeyn. Leichter Acker ward ſchwer, und umgekehrt letzterer in ſeiner Textur lockerer; ertragloſes Feld fruchtbar; trockene

ÄAnger wurden feuchthaltend; ſaure Gründe mild Alles durch Zu⸗ wendung einer Univerſalſubſtanz, deren faſt zauberhafte Wirkung ſich

namentlich auf den Futterbau in der Art erſtreckte, daß die ſonſt dürf⸗ tigen kahlen Weiden, außer einer nie gekannten überflüſſigen ſommer⸗ lichen Ernährung, namhafte Zuſchüſſe für den winterlichen Heubedarf

zu liefern begannen.

Der Credit der Wieſen ſank nun um ſo tiefer, je mehr der Kar⸗ toffelbau auf dem Felde ſich verbreitete. In verſchiedenen Gegenden Norddeutſchlands mögen zu einer vernachläſſigten Wieſenwirthſchaft auch die Umſtände, daß die natürlichen Wieſen nicht mit in den Pacht⸗ zins eingeſchloſſen und der größte Theil derſelben von einer Beſchaffen⸗ heit war, welche unter den beſtehenden Wirthſchaftsverhältniſſen an eine Verbeſſerung nicht denken ließen, das Ihrige beigetragen haben. Es iſt einmal der menſchlichen Natur eigen, dem, was ſie ſich ohne Widerſtand und Verbindlichkeit aneignete, eine geringere Sorgfalt zu⸗ zuwenden, als das mit Anſtrengung und Sorge Erkaufte von ihr er⸗ fährt. Vorhinein findet dieſe alltägliche Bemerkung gewiß ihre An⸗ wendung auf die Beſitzer ſolcher heureichen Güter, welche, wie es da⸗ mals in Mecklenburg ganz allgemein der Fall war, für ihre Wieſen keinen Pacht entrichteten, alſo ernteten, ohne geſäet zu haben. Man war gewiſſermaßen von Vater und Großvater her gewohnt, dieſe Flächen als eine Zugabe anzuſehen, deren der auf ſie angewieſene Landwirth nun einmal nicht entbehren könne, weil der Productions⸗ werth des Ackers darnach veranſchlagt ſey; übrigens vereinigte ſich die allgemeine Meinung dahin, daß der Aufwand von Wieſenverbeſſe⸗ rungen mit der ſteigenden Bodenrente in einem nicht entſprechenden Verhältniſſe ſtände. Dieſe mitunter noch in der Praris bethätigte An⸗ ſicht gewann nun an Feſtigkeit, als die natürliche Vorliebe für den

Acker in Maſſe und Geldwerth ſeiner Erzeugniſſe ſtete Nahrung fand;

als die Händearbeit in Folge des vermehrten Bedürfniſſes an Koſt⸗ barkeit zunahm; als die mahnende Stimme, über der Mergelkarre den Düngerwagen nicht zu vergeſſen, allgemeinern Anklang und Beach⸗ tung fand. Der Verein von Neigung, Intereſſe, Kraft und wirth⸗ ſchaftlichem Bedürfniß wandte ſich alſo um ſo eifriger der Scholle zu, ihre beſcheidene Stiefſchweſter die Wieſe, welche, dem ſinnlichen Auge minder eindrücklich, nur mittelbar und auf Umwegen Ertrags⸗ reſultate begründete unbeachtet liegen laſſend. Er that dieß um ſo