— 10—
Geſanges gehoͤrte*). Sie wurden im Hauſe, nicht in der Schule erzogen. Auch im Mittelalter war die Erziehung mehr haͤuslich als ſchulmaͤßig. Sie zerfiel in drei ſiebenjaͤhrige Ab— ſchnitte: bis zum ſiebenten Jahre ſtand der Edelknabe unter Aufſicht der Mutter, der Amme und der Pflegerinnen; in dem zweiten Abſchnitte lebte er als Junker(Page, Garçon) im Hauſe fort, aber unter maͤnnlicher Aufſicht; nach dem vier— zehnten Jahre trat er als Knappe, auch Schildtraͤger und Wappner genannt, in das Geleite eines Ritters, dem er diente und unter deſſen Aufſicht er ſich in Handhabung der Waffen und andern ritterlichen Tugenden uͤbte. Muſik, Geſang und fremde Sprachen wurden nur nebenbei ohne foͤrmlichen Schul⸗ unterricht erlernt.
Dieſer Erziehungsweiſe iſt die ſchulmaͤßige entgegengeſetzt, welche ſich ſchon im Mittelalter neben jener entwickelte, aber erſt vorherrſchend in der folgenden Zeit wurde, nachdem die Maſſe von Kenntniſſen und die Beduͤrfniſſe ſich außerordentlich vermehrt hatten. Viele Zoͤglinge werden bei dieſer Methode
*)„Wir finden bei ihnen(den alten Germanen) eine Erziehung, die ſehr viel mit der Bildung gemein hat, welche wir bei den Hellenen im heroiſchen Zeitalter angetroffen haben. Denn wie dort die Bildungs⸗ mittel in Gymnaſtik und Muſik beſtanden, ſo auch hier, und wie dort dieſe Mittel nur bei Erziehung der Edleren vollſtändig in Anwendung kamen, während die Maſſe des Volks keinen beſtimmten Theil daran hatte, ſo auch unter den Germanen.— Ihre Bildung war, wie bei den Hellenen, auf zwei Kreiſe hingewendet, auf Gymnaſtik und Muſik. Sie lernten Reiten, Schwimmen, Bogenſchießen, Fechten und Jagen, und daneben trieben ſie die runiſchen Wiſſenſchaften, zu denen die Kunſt des Geſanges weſentlich gehörte.— Doch war, wie in dem heroiſchen Zeitalter der Hellenen, das gymnaſtiſche Treiben überwiegend. Das Muſiſche trat zurück. Von Jarls zwölf Söhnen kennt nur der jüng⸗ ſte Konr auch die geheimen Wiſeeſchaften.“ Auguſt Herrmann Niemeyer, Grundſätze der Erziehung und des Unterrichts. Halle 1835. III. S. 462.


