Druckschrift 
Das landwirthschaftliche Institut zu Jena in seiner Verbindung mit der dasigen Gesammt-Akademie und dem Großherzoglichen Kammergute zu Zwätzen : nebst einer Abhandlung über höhere Bildung des deutschen Landwirths und Gutsbesitzers / beschrieben von dem Stifter und Director desselben Friedrich G. Schulze
Entstehung
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Die Bildung des Landwirths als Zweig der Volks⸗ erziehung, beſonders über Förderung der Humanitäat, Nationalitat und Perſönlichkeit dabei.

Um uͤber Zweck und Mittel der Bildung der Landwirthe und Gutsbeſitzer ohne Einſeitigkeit urtheilen zu koͤnnen, hat man dieſelbe als einen Zweig der Volkserziehung an zu ſehen. Von der Erziehung des deutſchen Volksgeiſtes iſt dieſe Bildung ein hoͤchſt wichtiger Theil, beſonders inſofern als in unſerm Vaterlande zu dem Mittelſtande, zu dem Traͤger unſerer Volks⸗ bildung, die Claſſe der Landwirthe und Gutsbeſitzer am zahl reichſten Mitglieder liefern kann und von der Bildung dieſer wiederum die geiſtige Entwickelung des Landvolks, alſo der Hauptmaſſe unſerer Nation, abhaͤngt. Denn ſie ſind es, wel che in allen deutſchen Staaten die Mehrzahl der Volksvertre ter ausmachen, in vielen Gegenden die Lehrer und Seelſorger auf dem Lande zu waͤhlen und die Bildungsanſtalten einzu⸗ richten haben. Von ihnen haͤngt es ab, wie viel Zeit und Geld die Arbeiter bei der Landwirthſchaft auf ihre und ihrer Kinder Bildung verwenden koͤnnen. Ihr Beiſpiel wirkt aber auch maͤchtig auf die Landleute ein.

Wollen wir den wahren Zweck der Volkserziehung errei chen, d. h.jedes Volksglied, ſo weit es ſubjectiv moͤglich iſt, dem Ideale des vollkommenen Menſchen fuͤr die ganze Beſtim⸗ mung ſeines Daſeins immer mehr naͤhern*), ſo haben wir ſorgfaͤltigſt zu achten:

1) auf die Eigenthuͤmlichkeit des Einzelnen, d. h. auf Per⸗ ſoͤnlichkeit oder Individualitaͤt; 2) auf das Allgemeine und zwar

*) S. Niemeyer, Grundſatze der Erziehung und des Unterrichts. 9. Ausgabe. Halle 1835. II.§. 1.