„Vor Allen haben wir von dem Worte der Wahrheit das Heil zu erwarten! Bildung der Einſicht ſoll unſere erſte Sorge ſein; mit ihr wird uns allmählich auch das Uebrige zufallen. Daher ſind Volkserziehung, Lehrſtand, Schule, Denkfreiheit zu unſerer Zeit wichtiger als je!“—
„Sollte mich aber Jemand fragen, was wohl für rein menſch⸗ liche Ausbildung des Lebens das Wichtigſte ſei, ſo würde ich ant⸗ worten: wo Geſundheit und ſittliche Tapferkeit das Leben vor Empfin⸗ delei ſchützen, da iſt das erſte Herzlichkeit und feine Gefühlsbildung im Familienleben, das andere herzlicher mit wohlwollender Sorgfalt um ſich blickender Bürgerſinn, und das dritte ernſter rechtlicher Gemeingeiſt dem ganzen Volke. Denn in dieſen wird das Grund⸗ gefühl der Andacht in Ernſt und Herzlichkeit dem thätigen Leben verbunden.“—
„Der Geiſt der Gerechtigkeit als Gemeingeiſt und ſeine Be⸗ geiſterung iſt die eine öffentliche Tugend, die zugleich Pflicht iſt. In ihm vereinigen ſich Größe und Schönheit der Seele zum vollen Ideale des Völkerlebens. Weg alſo mit jeder thatenſcheuen Moral, welche in öffentlichen Verhältniſſen der Staaten ſich nur auf Gottes Walten ver⸗ laſſen will und gegen die Feinde des Vaterlandes Kyrie Eleiſon ſingen lehrt! Nein, Gottes Schickung waltet über Allen, uns aber wies er an zur eignen That!“—
„Jedes Volk hat zur Zeit ſeine beſtehende Lebensordnnng und darin ſeinen Rechtszuſtand, der dem einzelnen Bürger ſeine Rechte und Obliegenheiten bringt. Fortſchreitende Bildung entdeckt darin Mängel, lernt einſehen, wie Leben und Recht beſſer zu ordnen ſeien, und fordert dadurch auf, Aenderungen zu machen. Wie nun ſollen dieſe ausgeführt werden? Wir ſagen: reformiren ſollt ihr und müßt ihr, aber revolutionirt nicht. Neform entwickelt ſanft aus dem Beſtehenden das Zukünftige. Nevolutionär iſt jede Maßregel(ſie mag nun von der herkömmlichen Regierung, von einer erſt neu emporgekom⸗ menen Macht oder von dem untergeordneten Pöbel ausgehen), bei der man ſelbſt um einer beſſern Zukunft willen, die beſtehenden Rechte der Einzelnen nicht achtet, ſondern ohne Erſatz vernichtet.— Die gute Abſicht allein rechtfertigt keinen Gewaltſtreich.“—
J. F. Fries. 1817.
32


