Druckschrift 
Der Kemperhof : Mit Hinsicht auf den Betrieb der Landwirthschaft in der Gegend von Coblenz / Von Joseph Anton Hergen
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen

1 7

Leider wird dieſer ſich noch in ſeiner Jugend befind« liche Wohlſtand kein großes Alter erreichen, wenn die vermehrten Staatsbedürfniſſe die Abgaben ſo vermehren müſſen, wie in der leßten Zeit, wo ſie im Banne von Coblenz in einem Jahre auf das doppelte geſtiegen ſind, und das folgende Jahr deſſenungeachtet, haben vermehrt werden müſſen.

Die für den A>erbau ſo glückliche Aufhebung des Zehnden, hat den Staatsverwalter, wie wir nun ſehen ein leichteres Mittel in die Hände gegeben, die Grundſteuern auf die leichteſte Art zu ſteigeren. So überſteigt die Grundſteuer auf dem linken Rheinufer ſchon ein Fünf- theil des reinen Ertrags, da ſie doch nur den zehnten Theil betragen ſollte, und hierzu geſellt ſich nun die Wein- moſt- Steuer, die den Winzer drücend trifft.

Es ſcheint faſt, als müſſe man am Rheine die Aufhebung der ſo häufigen Klöſter beklagen, und ihre Wiederherſtellung alles Ernſtes zurü>wäünſchen. An ih- ren Thüren konnte man doch eine Bettelſuppe erhalten, wenn man nicht mehr Mittel ſich zu ernähren fand, da- gegen iſt jeßt alles als Luxus- Artikel der Beſteuerung unterworfen.

Der Rheinländer, der von früher Jugend an in ewiger Bewegung einem meiſt undankbaren Boden ſeinen Unterhalt abtroßen muß, deſſen körperliche Kräfte dadurch früher abgenußt werden, ſoll ſich dieſer die Labung ver- ſagen, die ihm die ſorgenvolle Mutter Natur darreicht, weil ſie ihm nothwendig, ja unentbehrlich iſt, wenn er nicht früh ſein Leben in Siechheit hinſchleppen ſoll?