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Der Kemperhof : Mit Hinsicht auf den Betrieb der Landwirthschaft in der Gegend von Coblenz / Von Joseph Anton Hergen
Entstehung
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Der Wald, ſagte Conrad Bourmer tear unſre uflucht, und unſre einzige Stüße. Wir hatten keine Jdee einer andren einer beſſern Exiſtenz. Den ganzen Sommer zogen wir Buben ein Stü Brod in der Ta- ſche gegen 5 Uhr Abends zum Walde mit unſern Och-

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ſen, welche bei jeßiger Zeit niemand ſich würde gez trauen ſchen zu laſſen. Gegen 6 Uhr Morgens ging's nach dem Dorfe zurüF, eine Suppe wurde eingenomz men, und ſo gings von 7=- 10 an den Pflug. Von 414 bis 3 zum Walde, eine Stunde und mehr dauerte die Reiſe, und ſo konnten wir nach Mittag kaum einige Stunden fahren, wo es denn nach wie vor zum Walde ging.

Dünger hatten wir beinahe gar nicht, da die Ochſen Tag und Nacht, die Kühe doc) den Tag durch im Walde ſich befanden. Den wenigen, welcher gemacht wurde, erhielten die Weinberge. Kam nun vollends der Winter, ſo dachten wir uns glücklich, wenn wir ſo viel Stroh hatten, als unſre Ochſen freſſen mußten. Im Frühjahre mußten ſte nicht ſelten, da ſi

e nicht ſichen konnten, aufgehoben werden. Man denke ſi

I< die Arbeit die ſolches Vieh leiſten konnte, den Ertrag den ſo bes bauter, ſo gedüngter A>er gab.

Welches Gefühl dieſe Menſchen beſeeligen muß, die ihren jeßigen Zuſtand, gegen die BWergangenheit halten? Aus vdlliger Armuth, die ihnen freilich von ihren reichen geiſtlichen Pachtherrn als eine Canoniſche Tugend vorges prediget wurde zum Wohlſtande, aus ewiger Abhängig- keit zur Selbſtſtändigkeit, aus armen Pächtern zu behag: lich lebenden Eigenthümern geworden, zu ſeyn?