er wirklich iſt, als einen Halbmenſchen, in dem der edelſte Theil ſchlummert, der roh und wild, ohne Urtheil, ohne Ueber⸗ legung, ohne Selbſtbewußtſeyn, mehr ve⸗
getirt, als lebt; ſo werden wir geſte⸗
hen muͤſſen, der Menſch ſey beſtimmt, ſich dem Gaͤngelbande der Natur zu ent⸗ reißen, und durch tauſend Verſuche und
Fehltritte allein gehen zu lernen. Iſt
doch alles Gute an ihm Werk der Kunſt, hat doch der Gebildete, wenn er mehr
Irrthuͤmer hegt, auch tauſend mal mehr
Vorſtellungen, und allein richtige Urtheilel Kann man es nicht leug⸗ nen, daß er mehr Fehler begeht, ſo iſt er auch allein der Tugend faͤhig. Rouſ⸗ ſeau's Paradoxen in ſeiner Preisſchrit beruhen aber:
1) Auf Mißkennung deſſen, was dem Menſchen natuͤrlich ſey, und
2) Auf der Vorausſetzung, daß der Menſch urſpruͤnglich gut ſey, und alles Unmoraliſche von der Kultur herſtamme, ſo daß, wenn dieſe aufgehoben wuͤrde, auch ſofort Unſchuld und Zufriedenheit eintreten moͤchte. Aber auch Wilde und Nomaden hat man falſch und boͤſe ge⸗ funden; und die Ausflucht, daß auch dieſe


