——————õÿ—————————
Porrede.
D. Schriften uͤber die Landwirthſchaft ſind zu einer ſo ungeheuern Maſſe angewachſen, daß kein Menſchenalter reicht, ſie durchzuleſen; und doch iſt eine wichtige Luͤcke unausgefuͤllt geblieben. Dieſe iſt die große Schule der Erfahrung. Alle Schriftſteller ſagen, wie gewirthſchaftet werden ſoll, und nur ein ſehr geringer Theil, wie ſie gewirthſchaftet haben. Selbſt dieſe we⸗
nige erzaͤhlen entweder blos was ihnen gelungen iſt, mit ſorgfaͤltiger Ver⸗
ſchweigung des Misgluͤckten, oder halten ſich bey Verſuchen im Kleinen auf.
Arthur Young hat einige hundert Verſuche in zwei großen Quartbaͤnden
beſchrieben, die ſehr intereſſante Reſultate geben. Groͤßtentheils aber ſchraͤn⸗
ken ſie ſich auf 1 bis 2 Morgen ein, und verlieren dadurch viel von ihrem praktiſchen Werthe. Sachen, die im Kleinen vortreflich gehen, misrathen oft im Großen, oder ſind gar nicht ausfuͤhrbar. Aus Vorliebe fuͤr ſein
Syſtem waͤhlt man den beſten Acker. Nan beſtellt und erndtet ihn beſon⸗
ders mit weit mehr Sorgfalt, als man es im Großen auszufuͤhren vermag.
Natuͤrlich iſt der Ertrag auffallend. So wie eben dieſer Verſuch im Großen
ausge art wird, faͤllt die genaue Aufmerkſamkeit weg, und mit dieſer der
gluͤck! he Erfolg. Von dergleichen Spielereien bin ich ſehr oft Augenzeuge gen en. Sie thun der Aufklaͤrung in der Landwirthſchaft mehr Schaden als man glaubt. Gewoͤhnliche Wirthe, die alles haſſen, was ſie aus ihrem bequemen Schlendrian bringt, nutzen dieſe Misgriffe vortreflich, um alle
Neuerungen zu verſchreien.„Das geht im Kleinen an, aber im Großen muß man es wohl bleiben laſſen,“ ſagen ſie mit einer ſtolzen triumphiren⸗
den Miene. Noch ein Grund des Mangels an Wirthſchafts⸗Erfahrungen liegt in der unſeligen Geheimnißſucht des groͤßten Theils der Menſchen. Sie glauben in Verheimlichung ihres Vermoͤgens⸗Zuſtandes nicht Sorgfalt ge⸗ nug anwenden zu koͤnnen. Dem Kaufmann, der Konkurrenz des Handels, und dem Paͤchter, welcher Erhoͤhung der Pacht zu beſorgen hat, iſt es frei⸗


