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Vorrede yn
Vor einigen Jahren ward uns Landpredigern von det Königl, Ober- Conſiſtorium zu Berlin die Cultur der officinellen Pflanzen anempfohlen, und es finden ſich, außer den Landgeiſtlichen inn- und außerhalb Landes immer mehrere, welche ſich auf die Kräuterkenntniß legen, Soll das Seltenwerden, oder wohl gar das gänzliche Vergehen ſo vieler unſrer einheimiſchen Arzneykräu: ter nicht überhand nehmen, ſo muß das Studium der Botanik unter uns mehr gemein werden, So beſuchten z. B. vor 30-- 40 Jahren die Kräuter- weiber aus Berlin noch ſehr ſtark die Gegend meiner Heymath, um für die dortigen Apotheken allerley Kräuter hieſelbſt aufzuſuchen und einzuſammeln, Hierdurch iſt es geſchehen, daß die ehemals ſo häufig hier herum befindlichen Officinkräuter, als: Scordium, Benedicten, Angelika, Tauſendgüldenkraut u. ſ. f. in der Maaße vermindert worden ſind, daß man von den genannten Kräutern zum Theil faſt gar keine Spur mehr, zum Theil aber von einigen nur noch hie und da eine Pflanze zu ſehen bekömmt. Und warum ſollen hie und da der Hirte und Bauer nur alleinige Kenner dieſer oder jener Arzneypflanze ſeyn, da beyde gemeiniglich doch nur ſelten einen richtigen Gebrauch davon zu machen wiſſen? Sollte es nicht für denjenigen, der mehr als Bauer und Hirte iſt, Pflicht und Gewiſſensdrang ſeyn, den gemeinen Mann auf dem Lande durch guten Unterricht von den Wirkungen dieſes oder jenes, bey ihm in An- ſehen ſtehenden, Arzneygewächſes aufzuklären, zumal da, wie es leider ſv oft geſchicht, ſo viele durch mißverſtandenen Gebrauch ihrer Arzneykräuter ihre
- Krankheiten verſchlimmern und tödtlich machen? Sollte es der Menſchenfreund
nicht wollen verſtehen lernen, ivas jede Pflanze in Anſehung der Heilkunde nü- ßen oder ſchaden kann? Daher ſind die Beſchreibungen der Kräuter ſowohl nach ihren Kennzeichen und Heilkräften, als auch nach ihrem dkonomiſchen. Nußen für Menſchen und Vieh aus obgedachtem Neuen Schauplaße der Na- tur, woraus ich ſeit vielen Jahren manches Gute gelernt, wofür ich dem Ver- faſſer der zur Kräuterlehre gehörigen Artikel, dem um die Kräuter- und Heil- kunde hochverdienten Hrn. D- Böhmer zu Wittenberg, laut und dffentlich | meinen


