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der Gebohrenen zu den Lebenden iſt wie 1 zu 59. Es ſterben jährlich 96, und zwar 54 männliche und 42 weibliche jüdiſche Zudividuen. Von 62. Zuden ſtirbt in der Kurmark jährlich Einer.
3. Die Franzöſiſche Kolonie, Wallonen und Böhmen.
Die Aufnahme der reformirten Franzöſiſchen Flüchtlinge, welche im Jahre 1685, nach der Widerrufung des Edifts von Nantes, der Religionsmeinung wegen, ihr Vaterland verlaſſen mußten, gehört zu den menſchenfreundlichſten und denfwürdigſten Handlungen des großen Kur- fürſten Friedrich Wilhelm. Das geſegnete Cdift vom 29. Octob. 1685 eröffnete dieſen Unglück lichen eine ſichere Freiſtätte, ein Tag, der aus dieſem Grunde von den Mitgliedern der franzöſi- ſchen Kolonien noch jährlich dankbar gefeiert wird. Nach einer 1697 angeſtellten Zählung betrug die Anzahl aller Franzöſiſchen Flüchtlinge in der Mark und im Herzogthum Magdeburg 12,267 Köpfe.- Im Jahre 1686 kamen, aus Piemonts Thälern, die ebenfalls ihrer Konfeſſion wegen gedrückten Wald'enſer hinzu. Kurfürft Friedrich 111. nahm endlich 1698 und 1699 noch die aus demſelben Grunde flüchtig gewordenen Pfälzer oder Wallonen*) und Schweizer auf, ſo daß man im Jahre 1700, bei einer neuen Zählung, dieſen Volkszuwachs auf 14,844 Indivi- duen angab. Sie wurdet, nach ihren Beſchäftigungen, theils in die Städte, theils auf das Land verſetzt. Bei weitem der größte Theil blieb aber in den Städten, welche in Abſicht der Fabri- fen und Manufakturen auſſerordentlich darunter gewannen, weil der Kurfürſt beſonders auf die- jenigen Rückſicht nahm, welche durch ihren Kunſtfleiß dem Staate nüßzlich werden konnten. Die Städke Berlin, Brandenburg, Potsdam, Frankfurt, Stendal**), Prenzlow, Spandow, Ber- nau, CöpeniE, Oranienburg, Müncheberg, Strasburg, Schwedt, Angermünde, Vierraden, Lin- dow und Rheinsberg erhielten einen ſchäßbaren Zuwachs'an nüßlichen Einwohnern, denen ſie in Abſicht der Induſtrie nicht wenig zu verdanken haben.
Auf dem platten Lande wurden ihnen wüſte Feldmarken zum Anbau übergeben, beſonders unker den Domänenämtern Ruppin, Mühlenbeck, Bieſenthal, Gramzow, Chorin und Löckenigß. Dort entſtanden, durch landesherrliche Unterſtüßung die blüßendſten Kolonien, welche noch jetzt zu den wohlhabendſten im Lande gehören. Die Anbauenden erhielten 16 ganze und nachher noch r0 halbe Freijahre, für immer Freiheit von allem Naturaldienſt, wogegen ſie ein leibliches Dienſt- geld entrichfett. M
Die Künſtler, Fabrikanten und Handwerker, welche ſich in den Städten, vorzüglich aber in Berlin niederließen, bilden daſelbſt noch jetzt für fich beſtehende Kolonien. Sie Haben eine be- ſondere, durch mehrere einzelne Edikte ihnen zugeſicherte Verfaſſung, welche jedoch nach und nach der Preußiſchen Organiſation immer näher gekommen iſt. Durch das Naturaliſationsgedift vom
*) Welche im 16ten Jahrhundert ſchon von dem Herzog Alba aus den Niederlanden vertrieben worden wa- ren, und bis dahin in der Pfalz ruhig gewohnt hatten.. **) Stendal erhielt unter Friedrich Il. noh einen ſtarken Zuwachs von Manheimern oder Pfälzern.
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