onst an Kaisers Geburtstag gingen unsre Gedanken nach Berlin. Dort feierte der Kaiser in altherge- brachter Form mit militärischem und höfischem Prunk sein Fest. Im Schloß empfing er die Glückwünsche seiner nächsten Angehörigen, der deutschen Bundesfürsten, der Spitzen der Armee und der Behörden, der fremden Botschafter und Gesandten, die zur Freude der schaulustigen Berliner in ihren prächtigen Staatskutschen aufgefahren waren. Dazu donnerten vom Lustgarten her die Geschütze ihren Ehrensalut. Feierlicher Gottesdienst vereinigte die Fest- teilnehmer in der Schloßkapelle. Und dann begab sich der Kaiser von seinen Söhnen begleitet zu Fuß in das Zeughaus, wo in dem Lichthof unter den Schlüterschen Masken der sterbenden Krieger dem in Paradeglanz erschienenen Offi- zierkorps und der Garnison die übliche Parole ausgegeben wurde: es lebe Seine Majestät der Kaiser und König! Wie anders die Feier heut. Fern von der Reichshauptstadt, im Feldlager, in Feindesland, ohne höfische Pracht und Gala- uniformen, unter seinen feldgrauen Truppen begeht der Kaiser den Tag. Keine Vertreter fremder Staaten finden sich zur Gratulation ein, nur die herzliche Teilnahme des treuen Bundes- genossen an der Donau wird nicht fehlen. Nicht friedliche Ehrensalven begleiten diesmal die Feier. Wohl aber mag ernster Schlachtenlärm in sie hineintönen. Und statt auf jene steinernen Masken mag des Herrschers Blick auf manch eines verwundeten oder sterbenden Kriegers Angesicht fallen.
Periodikum
Die Feier von Kaisers Geburtstag und der Reichsgründung veranstalten am ... an der Universität Giessen
Entstehung
[Erscheinungsort nicht ermittelbar] Im Digitalisierungsprozess 1915 ; damit Ersch. eingest., 1915-1915
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