Aufsatz 
Versuche während der Freiheitskriege, das Elsaß für Deutschland zurückzugewinnen / von Robert Brendel, Straßburg
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III.

Verſuche während der Freiheitstriege, das Elſaß für Deutſchlandzurückzugewinnen.)

Von Robert Brendel, Straßburg.

(Kos iſt eine eigentümliche geſchichtliche Erſcheinung von geſetzlicher Regelmäßigkeit, die wohl in der Beſchaffen⸗ heit der Einzelſeele begründet iſt, daß in Zeiten höchſt⸗ geſpannter Erregung, blutigſter Feindſchaft zwiſchen Völkern nicht allein das Bewußtſein augenblicklichen Grimmes, jüngſt erlittenen Anrechts glüht, ſondern daß auch längſt verjährte Taten wieder lebendig werden, längſt verheilte Wunden wieder aufbrechen und Sühnung heiſchen. Wenigſtens wird das in den mit dem Volke, ſeinem Weſen und ſeiner Ge⸗ ſchichte innigſt verknüpften Gemütern der Fall ſein. So wuchſen in dem Zeitalter großartigen inneren und äußeren Wiederaufrichtens, in der Zeit der Freiheitskriege, neben dem Haß gegen Frankreich, dem Gefühl der Demütigung und Schmach in deutſchen Patrioten auch Erinnerungen an die Vergangenheit empor, in der man ſchon einmal ähnliche Leiden erduldet hatte wie jetzt. Daß ſich dabei die Sehnſucht einzelner Kreiſe gerade auf das Elſaß richtete, war gleichſam von geſchichtlicher Notwendigkeit. Denn ſeit dem weſtfäliſchen Frieden von 1648 war von deutſcher Seite immer wieder verſucht worden, die Gebiete jenſeits des Oberrheins zurück⸗ zugewinnen oder doch wenigſtens ihre vollkommene Trennung vom Reiche zu verhindern. Während des 17. Jahrhunderts hatte der berühmte und berüchtigte ſogen. immerwährende Regensburger Reichstag unabläſſig die Rückgabe des Elſaß gefordert. In den Friedensverhandlungen von Nymwegen

*) Die folgenden Zeilen geben in Kürze die Hauptergebniſſe einer längeren Arbeit wieder, die demnächſt unter dem TitelDie Pläne einer Wiedergewinnung Elſaß⸗Lothringens in den Jahren 1814 und 1815 als Heft 47. derBeiträge zur Landes⸗ und Volkskunde Elſaß⸗ Lothringens erſcheinen wird.