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leider unterlaſſen, die Angelegenheit der Oberbehörde ſofort anzuzeigen. Ich mußte alles aus dritter Hand erfahren. Ich bin darauf zur Unterſuchung ſofort hierhergereiſt.
Direktor. Ich bin zu jeder Auskunft bereit, Herr Ge⸗ heimerat.
Leuwardt. Die werden Sie der Kommiſſion geben müſſen.
Direktor. Wie Sie wünſchen, Herr Geheimerat.
Leuwardt. Ich habe mich nur meines Auftrags zu entledigen.
Direktor. Bitte, Herr Geheimerat.
Leuwardt. Während der Unterſuchung übernimmt Herr Dr. Dubois einſtweilen Ihre Stelle.
Dubois(verbeugt ſich).
Direktor. Jawohl, Herr Geheimerat.
Leuwardt. Können Sie die Geſchäfte heute noch abgeben?
Direktor. Jeden Augenblick, Herr Geheimerat.
Leuwardt. Es iſt gut.(Zu Dubois.) Bitte, erwarten Sie mich in meinem Hôtel. Ich bin in wenigen Minuten dort. (Dubois ab. Leuwardt ſchickt ſich an zu gehen, bſeibt dann ſtehen und wendet ſich zurück, mit verändertem Ton.) Die Reiſe hierher iſt mir nicht leicht geworden. Ich kenne Sie ſo lange. Sie galten mir als der pflichttreuſte Beamte.
Direktor. Ich hoffe, daß ich bis zu dieſem Augenblick meine volle Schuldigkeit gethan habe.
Leuwardt. Sie haben hier manchen Gegenſatz ausge⸗ glichen. Wir wußten das, Sie waren am Platz, ſtreng, aber gerecht gegen Lehrer und Schüler. Ich weiß nicht, was ich dazu ſagen ſoll, daß Sie— daß Sie gegen ſich ſelbſt nicht ſtrenger geweſen ſind.
Direktor. Ich habe mir nichts zu verzeihen, Herr Ge⸗ heimerat, nichts. Aber niemand ſage darum, er kennt ſich ganz. Ich bin Lehrer und Erzieher aus voller Neigung.
Leuwardt. Jawohl und berufen wie einer. Das wirft man doch nicht ſo weg—
Direktor. Ich war in meiner Pflicht aufgegangen. Aber mein Amt iſt mir gründlich verleidet worden.
Leuwardt. Ich fürchte, Sie ſind keiner guten Wallung gefolgt.
Direktor. Darüber beruhigt mich mein Gewiſſen. Aber es brach bei mir mit elementarer Gewalt durch—
Leuwardt. Weil Sie die Macht über ſich verloren haben.


