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Der Gymnasialdirektor : Schauspiel in vier Aufzügen / von Eugen Zabel und Alfred Bock
Entstehung
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Direktor. Sonnenberg nahm dann das Geld mit nach Haus?

Robert. Jawohl.

Direktor. Gab er's denn heute früh wieder gutwillig heraus?

Robert. Nein, ich habe ihn erſt furchtbar gehauen.

Direktor. Sagen Sie um Gotteswillen, was haben Sie ſich eigentlich bei der Sache gedacht?

Robert. Ich wollte mich rächen an Brinkmeier.

Direktor. Und da gab es keinen anderen Ausweg, als ſeine Kaſſe auszuplündern?

Robert. An dem Geld ſelbſt lag mir gar nichts. Ich habe keinen Pfennig in die Hand genommen.

Direktor. Wenn Sie ſich gekränkt fühlten, warum gingen Sie nicht zu Ihrer Mutter?

Robert(ſchweigt).

Direktor. Warum vertrauten Sie ſich keinem Ihrer Lehrer an?

Robert. Ich hätte doch nicht Recht bekommen.

Direktor. Mit dieſer ſchlechten Ausrede kommen Sie bei mir nicht durch. Nein, Ihre laſterhafte Verſtocktheit, Ihr unerhörter Trotz ſind an allem ſchuld. Lieber der Helfershelfer eines nichtsnutzigen Buben werden, als ein offenes Wort reden: das ſieht Ihnen ähnlich. Der Trotz, der ſich bei Ihnen eingeniſtet hat, iſt die Urſache all Ihrer Laſter. Ich kenne Ihr Vorleben ganz genau. Ich laſſe es gelten, wenn Sie ſich gegen den Spott der Kameraden mit den Fäuſten verteidigen Aber ſchlecht zu werden, weil ein ungebildeter Kneipwirt ſeine Witze über Sie geriſſen hat, das hatten Sie wahrhaftig nicht notwendig.Ihr wollt mir etwas anhängen? hätte ein tüchtiger Charakter geſagt, Gut, ich werde euch erſt recht beweiſen, daß ich brav ſein, daß ich etwas leiſten kann.(Pauſe). Aber was Sie gethan haben, iſt unerhört und unverzeihlich, ein Schimpf für meine ganze Anſtalt. Sie werden mit mir ſofort auf die Polizei gehen und Ihre Ausſagen genau ſo wiederholen, wie Sie ſie vor mir gemacht haben.

Robert.(aufſchreiend). Auf die Polizei? Nur das nicht, Herr Direktor!(Fällt ihm zu Füßen) Auf meinen Knieen bitte ich Sie. Thun Sie mir dieſe Schmach nicht an.