Siebenter Auftritt. Direktor. Robert Tillmann.
Direktor(nimmt Robert die Hand vom Geſicht, ſtreng). Tillmann, wo haben Sie geſtern abend das Geld hingebracht?
Robert. Ich habe das Geld nicht weggebracht.
Direktor. So? Sie haben es doch heute früh geholt?
Robert. Jawohl. Ich habe es aber nicht weggebracht.
Direktor. Sie haben es natürlich gar nicht genommen?
Robert. Nein, Herr Direktor.
Direktor. Hm! Es iſt ſchließlich nicht meine Sache, das zu unterſuchen. Aber ſoviel will ich Ihnen ſagen, Ihr plumpes Leugnen verſchlimmert nur Ihre Lage.
Robert(beſtimmt). Ich habe das Geld nicht genommen.
Direktor. Ich bedaure nur Ihre arme Mutter. Sie ſind alt genug, um das zu verſtehen. Das Leben Ihrer Mutter iſt eine ununterbrochene Kette der ſchwerſten Ent⸗ täuſchungen. Für Sie hat ſie ſich aufrecht erhalten. Für Sie hat ſie gedarbt und geſpart. Für Sie war ihr keine Arbeit zu niedrig. Um Ihretwillen hat ſie Niedertracht, Bosheit und Verleumdung ertragen. Das kann nur eine Mutter für ihr Kind. Aber Sie ſollten ihr eine Stütze werden, an Ihnen wollte ſie wenigſtens Freude erleben. Das war ihr gutes Recht. Nun haben Sie ſich und ſie zu Grunde gerichtet. Sie ſollten vor Scham verſinken. Dem verſtockteſten Böſewicht traue ich noch ein Gefühl für die Mutter zu. Aber auch das iſt in Ihnen erſtickt. Ich habe einen reuigen Sünder erwartet. Nun wollen Sie mir hier etwas vorlügen. Das laſſe ich mir nicht bieten. Aus meinen Augen— fort!
Robert(zuckt zuſammen und ſchickt ſich an, zu gehen. An der Thüre wendet er ſich halb um und bricht in krampfhaftes Schluchzen aus). Herr Direktor—
Direktor. Was wollen Sie noch hier?
Robert(immer ſchluchzend, daher alle Worte kuürz hervorſtoßend, erſt allmählich ruhiger). Ich habe nicht geſtohlen. Ich habe mich nur rächen wollen—
Direktor ſcheinbar gleichgültig, aber doch aufhorchend). An wem?
Robert. An Brinkmeier.


