Anmerkungen
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Siehe dazu: Rosy Bodenheimer, Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Oberhessen von ihrer frühesten Erwähnung bis zur Emanzipation, Gießener Diss. 1931, S. 9. Dort wird auf den Zu— sammenhang zwischen den hessischen Städtegründungen des 13./ 14. Jh. und der Ansiedlung von Juden hingewiesen. Ersterwäh- nungen von Juden in Oberhessen(in Auswahl): Münzenberg 1188, Friedberg 1241, Biedenkopf 1298, Assenheim und Nidda 1303, Büdingen 1337 und Ulrichstein 1347.
Nach(im Krieg vernichteten) Unterlagen des Stadtarchivs Frankfurt I. Kracauer, Urkundenbuch zur Geschichte der Juden in Frankfurt am Main von 1150- 1400, Band I(Urkunden, Re- chenbücher, Redebücher), Frankfurt 1914, S. 356 und 358. Hier sind in Gerichtsbüchern Darlehensgeschäfte Gießener Juden auf- gezeichnet.
Die Juden wohnten hier zwar eng zusammen, doch waren die Städte viel zu klein und die Judengassen zu nahe am Markt, dem Mittelpunkt des Verkehrs, als daß man schon von einer Gettobildung sprechen könnte. Die Absonderung der Juden von der Bürgerschaft vollzog sich in Deutschland erst in der zweiten Hälfte des 14. Ih. nach den opfervollen Verfolgungen während der Pestzeit. Siehe hierzu auch: I. Elbogen/E. Sterling, Die Ge- schichte der Juden in Deutschland, Frankfurt 1966, S. 19 und 68 f.
H.-J. Gamm, Judentumskunde, Frankfurt 1962, S. 76 f. Die Ju- den wurden- ausgehend von Savoyen- der Vergiftung von Brunnen und damit der Auslösung der Pestwelle beschuldigt. Da wegen der religiösen Reinlichkeits- und Mäßigkeitsgebote nun tatsächlich auch prozentual wesentlich weniger Juden als Chri- sten von der Seuche erfaßt wurden, ist diese"Sündenbocktheo- rien bereitwillig überall in Europa geglaubt worden. Verheeren- de Ausmaße hatte diese bis zum Holocaust der Nazis wohl furchtbarste Judenvernichtung im Gebiet des spätmittelalterli- chen Deutschen Reiches.
Rosy Bodenheimer, a. a. O., S. 7 und 9 unter Bezug auf S. Sal- feld, Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches, Berlin 1898. Hier werden neben der Reichsstadt Friedberg die land- gräflich-hessischen Städte Gießen, Homberg/Ohm und Butzbach genannt, in denen die Juden in den Jahren 1348- 1350 schwer zu leiden hatten. Die Memorbücher sind Gedenkbücher für die geistigen Führer und Märtyrer des Judentums und stellen eine wichtige Quelle für die Geschichte der Juden in Deutschland dar.
Staatsarchiv Darmstadt, A 3 Leihgestern und A 3 Gießen: 15.11.1373 uSamwel von Glipberg“, 10.05.1374"Samuel von Gie- ſen!.
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