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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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Paul Tielmann, der 1939 den einberufenen Konrad Rust als Direktor abgelöst hatte, mußte 1943 den Schuldienst verlassen; sein Nachfolger und damit letzter Leiter der Schule wurde ab WS 1943/44 der Gewer- belehrer Otto Velten.

Das letzte Semester, das noch einigermaßen normal verlief, war das SS 1944, in dem uns von 83 Studierenden im Hochbau und 60 Studie- renden im Maschinenbau und Elektrotechnik berichtet wird.*

Außerdem befanden sich 14 technische Zeichnerinnen in Ausbildung.

Neben 4 hauptamtlichen Lehrern, die insgesamt 104 Stunden hielten, waren noch 14 Lehrkräfte nebenamtlich tätig, die insgesamt 190 Stunden hielten. Darunter waren Architekten, Handwerksmeister, Inge- nieure, Betriebsinspektoren und pensionierte Lehrer. Die Schulstunde dauerte zuletzt 40 Minuten und wurde mit 3 RM bezahlt.

Da die Stadt Gießen bis zum Spätherbst von Luftangriffen noch weit- gehend verschont blieb, ist das SS 1944, das bis Ende August dauerte, noch verhältnismäßig ungestört zu Ende geführt worden.

Das Ende der Gewerbeschule Gießen wurde dann noch vor dem völli- gen Zusammenbuch des 11000jährigen Reiches durch den schweren Luftangriff auf Gießen om 6.12. 1944 ausgelöst, der nicht nur 60 bis 70% der Stadt zerstörte, sondern auch das Schulgebäude, die"Alte Kliniku, total ausbrennen ließ.**

2 Die Fachklassen für Schreiner und Maler sowie die Schuhma-

cherfachschule hatte man kurz nach Kriegsausbruch eingestellt.

** Aus den Gesprächen mit dem letzten(kommissarischen) Leiter der Schule Otto Velten ergab sich(was die erhaltenen Akten des Stadtarchivs nicht überliefern), daß das WS 1944/45 Anfang November noch in der Liebigstraße begonnen wurde, die Klassen aber dann aus kriegsbedingten Gründen(Gefahren in Bahnhofs- nähe, leichter erreichbare Schutzräume für die Schüler, von de- nen viele bereits kriegsbeschädigt waren) in die Schillerschule verlegt wurden. Da auch dieses Gebäude völlig ausbrannte und eine unzerstörte Unterkunft nicht mehr zu finden war, konnte der Unterricht nicht weitergeführt werden. Otto Velten gehörte nach dem Krieg wieder dem Lehrkörper der Ingenieurschule bis zu seiner Pensionierung 1971 an.

Quellen:

Staatsarchiv Darmstadt, Landtagsakten

Stadtarchiv Gießen, Schulakten des 19. und 20. Jh.

Universitätsarchiv Gießen, Personalakten der philosophischen Fakultät Anzeigeblatt der Stadt Gießen

Großherzoglich-Hessisches Regierungsblatt Darmstadt

Gießener Anzeiger 1868 ff.

Adreßbücher der Stadt Gießen 1877 ff.

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