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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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ster Rust, und den hauptamtlichen Lehrern Brinkmann, Dipp, Tiel- mann und Walther weitere 9 Hilfslehrer herangezogen werden mußten.

Hier ist zu bemerken, daß es die Eigenart des Unterrichtsbetriebes an einer Gewerbeschule mit sich brachte, daß in einem WS immer ein Vielfaches der Anzahl der Schüler eines 8S zu unterrichten waren. (Siehe dazu Schülerzahlen der Jahre 1937 bis 1944 und die abgedruck- ten Stundenpläne der Jahre SS 1936 und WS 1937/38).

Mit Beginn des WS 1936/37 hatte sich die Situation für die Gewerbe- schule weiter verbessert; militärstrategische(Autobahnbau, Wehr- und Arbeitsdienstpflicht) und wirtschaftspolitische Maßnahmen(Aufbau ei- ner auf dem neuesten Stand der Technik beruhenden Produktion) be lebten die Konjunktur und ließen auch den Bedarf an technologisch gebildeten Fachkräften steigen. Besonders die Belebung auf dem Bau- sektor wirkte sich im Anstieg der Schülerzahlen aus, aber auch die Maschinenbauabteilung konnte ihren Platz wieder einnehmen.

Ihr dreisemestriges Studium erhielt die staatliche Anerkennung und verschaffte somit ihren Absolventen die Möglichkeit, auf einer der- heren technischen Lehranstalten die Ausbildung in weiteren 3 Seme- stern zu vervollkommnen.

In einer Zeitungsnotiz vom 26. September 1936 hieß es u. a.:

Die Gewerbeschule Gießen. bietet dem Handwerker wie dem künfti- gen Techniker die Gelegenheit, sich neben der praktischen Erfahrung die theoretischen Kenntnisse für den Beruf zu erwerben.

Außerdem bietet sie die Möglichkeit, sich das für die Meisterprüfung geforderte Maß an Kenntnissen anzueignen oder mit der staatlichen Abgangsprüfung gleichzeitig den theoretischen Teil der Meisterprüfung abzulegen.

Befähigte Schüler können mit Anrechnung der an der Gewerbeschule Gießen absolvierten Semester auf die höheren technischen Staatslehr- anstalten für Hoch- und Tiefbau sowie Maschinenbau usw. übergehen.

Die Schule bietet also in ihren zahlreichen Abteilungen für Maurer, Zimmerer, Schreiner, Maler, Schlosser, Elektriker, Schuhmacher usw. vertiefte theoretische Ausbildung, Zugang zu den Prüfungen, damit fachliche Weiterbildung und beruflichen Aufstieg..

Als die Gewerbeschule am 26. März 1938 ihren 100. Geburtstag fest- lich beging*, hatte sie nahezu wieder den Stand erreicht, den sie vor dem Einbruch der Weltwirtschaftskrise innehatte. Zwar gelang es ihr nicht, sich wieder Maschinenbauschule zu nennen- gegen diesen Na- men wehrten sich die viersemestrigen technischen Bildungsanstalten im

* Siehe Zeitungsanzeige vom 21. März 1938.

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