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Zur Geschichte Gießens und seines Umlandes : Aufsätze und Reden / von Erwin Knauß
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Den Verlauf des Prozesses in allen Einzelheiten abzuhandeln, wäre auf Grund der vielen Presseberichte zwar möglich und sicher auch interes-— sant, würde aber den Rahmen der Arbeit sprengen. So beschränkt sich die Darstellung auf die Teile des Prozeßgeschehens, die für die Ge— samtbeurteilung wichtig, für das Verständnis von Ablauf und Ausgang notwendig sindié. Gelegentlich war es geboten, besondere Akzente zu setzen.

1. Prozeßtag: Vernehmung der Angeklagten(teilweise in Stichw.)

Ernst v. Salomon, geb. 25.9.1902 Kiel, Bankbeamter, ledig, wohnte zu- letzt in Frankfurt, bereits im Alter von 10 Jahren im Kadettenhaus, kämpfte 1919 gegen Kommunisten, dann im Baltikum, machte den Kapp-Putsch mit, ging dann mit zu den Kämpfen im Ruhrgebiet, muß- te wegen des Kapp-Putsches im Juli 1920 den Abschied nehmen. Bis Mai 1921 in Frankfurt, dann bis August 1921 in Oberschlesien und wieder nach Frankfurt zurück. Hier trat er dem Verband nationalge- sinnter Soldaten“ bei, wo er Tillessen, Kern, Heinz u. a. kennenlern- te4?. Im Winter 21/22 schloß er enge Freundschaft mit Kern, den er sehr verehrte: Er war mir 19jährigem Führer, Freund und Vorbild.“ Salomon leugnet, der Organisation C. angehört zu haben.

Ernst Casimir Schwing, geb. 16.11.1897 Frankfurt, Kaufmann, ledig. Wurde mit knapp 18 Jahren 1915 eingezogen und kam zur Front, spä-— ter als Flugzeugführer ausgebildet, mußte 1919 abgehen; hatte dann verschiedene Stellungen, bis er 1921 zu Hupfeld nach Bad Nauheim kam. Heinz lernte er in Frankfurt bei einer völkischen Versammlung kennen. Er trat auch in den Verband nationalgesinnter Soldaten“ ein und war Mitbegründer einer Ortsgruppe dieses Verbandes in Bad Nau-— heim.

In der Vernehmung zur Sache schwächte Schwing seine Angaben in der Voruntersuchung, daß er von Heinz zum Mord an Wagner angestif- tet worden sei, wesentlich ab. Heinz habe ihm zwar vom Verräter“ Wagner erzählt, so daß er über Wagner empört gewesen sei; so habe er, als es drauf und dran ging, sich der Sache nicht entziehen können, doch habe ihn Heinz nicht zur Tat überredet. Nach dem schweren Stein befragt, erklärte Schwing, er habe dem Kern als ehemaligem Offizier, als dieser den Befehl zum Mitnehmen gegeben habe, unbe-

46 Das Folgende, wenn nicht besonders angegeben, nach den amt- lichen Akten, den Privatakten Weidemann, den Akten aus dem Stadtarchiv Gießen, sowie Presseberichten aus"Gießener Anzei-

ger“, uOberhessische Volkszeitung“(beide Gießen) und der Frankfurter Zeitung“. 47 In seinem Buch"Die Geächteten“(s. Anm. 25) berichtet Salo-

mon über sein Kennenlernen von Erwin Kern(S. 237) und von Friedrich Wilhelm Heinz(S. 244).

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