Abdanckungs⸗Rede. 55 gen koͤnnen/ welche Stunde vor gluckſeeliger zu halten; die/ darinnen wir zum erſten dieſes helle Tages⸗Licht erblicken/ oder die/ in welcher wir in das finſtere Grab deß Lodes geleget werden/ dann jene iſt aller Muͤhſaͤligkeiten Anfang/ dieſe aber bringet das gewuͤnſchte Ende.
Auß dieſes Hochgelahrten Mannes Judicio, wann wir es als Menſchen und von menſchlicher Schwachheit/ Elend und Unbeſtaͤndigkeit reden⸗ te/ wohl conſideriren/ ſehen wir was es doch mit uns Menſchen vor eine Wandelbahre Beſchaf⸗ fenheit/ ja was auch bey dieſem Leben vor ein be⸗ truͤbter Zuſtand ſey/ in deme dieſem Hochgelahr⸗ ten Mann dieſe Gedancken einfallen/ daß es ſchwer zu dignoſciren ſeye/ welches beſſer/ Leben oder Sterben: welche Stunde gluckſeeliger deß Le⸗ bens oder deß vodes; Mit deme dann faſtuͤber⸗ einſtimmet/ was wir bey dem beredten Cicerone von dem gefangenen Sileno leſen/ welcher/ als er von dem Konige Mida in harter Beſtrickniß gehal⸗ ten wurde/ gab er dem Koͤnige ſtatt einer Rantzi⸗ on von deß Menſchen Zuſtand dieſe nachdenckliche Rede/ ſagend: Non naſci homini longè optimũ quàmprimũm autem mori& quaſi exincen- dio effugere violentiam fortunæ. Nicht geboh⸗
ren werden ſey faſt das Allerbeſte/ die nechſte 2 71 Gluck⸗


