Druckschrift 
Geschichte von Gießen und der Umgegend von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1265 : auf Grund der Materialsammlung des Localvereins für die Geschichte von Gießen zsgest. / von Dr. F. Kraft, Hofgerichts-Präsident
Entstehung
Seite
2
Einzelbild herunterladen

2

ſich durch die Grauwacke und Thonſchiefer-Schichten des Naſſauer Landes nach Weſten hin Bahn brachen. Von Oſten erſtreckten ſich vor der Vogelsberger Baſaltmaſſe her mächtige Sand⸗ und Thonlager, bis an das Schiefer- und Grauwackegevirg; zufolge einer der letzten mit dem Vogelsberg zuſammenhängenden Baſalt⸗Eruptionen im Norden von Gießen, dem Hangelſtein, hatte ſich durch das Zuſammentreffen der Strömungen des Lahn⸗ und Wieſeckgebiets in der Diluvialzeit ein bedeutender Hügel von Sand- und Grant-Geſchieben, der Rodberg aufgehäuft; ähnliche Ablagerungen waren auf der Oſtſeite am Trieb⸗ und Nahrungsberg über die Thonlager verbreitet und erſtreckten ſich bis auf die Schalſchieferſchichten am Seltersberg. Zwiſchen dieſen Hügeln und der Grauwacke des Hardbergs wenden ſich die beiden Flüſſe, die Lahn und die Wieſeck, in trägem Gang durch die flache Ebene, welche durch dieſelben häufigen Ueberſchwemmungen ausgeſetzt und deshalb keine Localität für menſchliche Niederlaſſungen war, wie denn auch der meiſt kieſige, ſandige oder thonige Boden der Umgebung des Thals kein zur Anrodung lockender, frucht⸗ barer war.

Das Bett der Lahn*) war augenſcheinlich anfänglich

¹) Der Name des Lahnfluſſes wird auffallend ſpät erſt erwähnt, in römiſchen Schriftſtellern gar nicht; gewöhnlich nimmt man an, daß

die in einem Gedicht des Venantius Fortunatus(lib. 7 carm. 7)

aus dem 6. Jahrhundert vorkommenden Flüſſe Laugona& Bordoa

ſich auf die Lahn und die Wohra beziehen;(Wenck heſſ. Geſchichte

Bd. 2 S. 199 No. c.) wenigſtens paßt die Beſchreibung Laugona vitreis aquis auf die dem Glas der Alten ähnliche helle grünliche Farbe des Fluſſes(fie geſtattet vielleicht eine Herleitung von Lauch⸗ grün); die Flußbezeichnung aha am Ende iſt wie bei vielen Flüſſe⸗ namen ſpäter verſchwunden. In ſpäterer Zeit heißt der Fluß Logana, Loyne, Lohn und der Lahngau Loganahe, Logenehe, Logengouwe. (Vgl. Friedemann, die urkundlichen Formen des Namens der Lahn

im Archiv für heſſ. Geſchichte Bd. 6 S. 419 ff.) Wenn der Geo⸗- graphus Ravennas im 7. Jahrhundert als Flüſſe der rheiniſchen Franken neben der Nida eine Locna nennt, ſo hat er wohl den Namen Logena contrahirt oder ſtch verleſen oder verſchrieben und den