Proklamation an
mein Rarrenvolk!
Wir Prinz Joſephus I., von Unſterblichkeits⸗ gnaden Herzog von Narragonien, gefürſteter Graf von der Lahn, durch des Volkes Wille(Ple⸗ biszit) Beherrſcher der ganzen ziviliſierten Welt und noch
elf Dörfern, Edler von Witzhauſen und Sorgen⸗
bruch, Ritter des diamantenen Pfauenordens mit Prit⸗ ſche und Schelle uſw. uſw. entbieten Unſerem gelipp⸗ ten Narrenwolke huldvollſten Gruß. Indem Wir unſre neue Reſidenz beziehen, bieten Wir allen Unſren Un⸗ tertanen Schutz und Schirm, wie Wir auch Unſre ganze Reſidenz in eine Sternſtraße lieblich und ſchön verwan⸗ deln werden und verordnen, daß jeder männliche Bür⸗ ger mit den aus Unſrer Stempelfabrik bezogenen Stem⸗ pel auf den rechten Backen Unſere Initialen aufgedruckt bekommt. Wir werden, um die Feſtesfreude zu erhöhen,
alle Steuern
nur allmählig aber ſtetig huldvollſt herabſetzen. Mit dem Einzuge in Unſre Reſidenz kann
vollſtändige Geſchäftsruhe
eintreten, die Männlichen Unſrer Untertanen haben ſtets mit Unſrer vierfarbigen Kopfbedeckung zu erſcheinen und die Auszeichnungen anzulegen, die ſie ſich bereits in Unſerem Reiche erwarben, während Unſre weiblichen Untertanen ſich ſo zu malen haben(gegebenenfalls iſt aus Unſrer Hofpuder⸗ und Schminkefabrik benötigendes Quantum gratis zu beziehen), daß auch ſie in den 4 Farben— unterhalb der Kopfbedeckung— zu er⸗ ſcheinen haben.
Um nun auch den Gedrückteſten Unſrer Untertanen Unſer allergnädigſtes Licht leuchten zu laſſen, haben Wir beſchloſſen, einen
Gnadenerlaß
herauszugeben, wonach alle diejenigen, die ans Bett gefeſſelt ſind, mit dem aus Unſrem Herzen ſtrömen⸗ den Humor befreit werden ſollen.
Weiter befehlen Wir, bei ſtrengſter Ahndung im
Unterlaſſungsfalle, daß die Witterung ſehr günſtig und jeder Unſrer Untertanen bei unerſchöpflicher Laune ſei, außerdem ſeinen Geldbeutel bis zum Platzen zu ſpicken hat.—
Gegeben in Unſrer Vorreſidenz im Narrenmonat d. J. 1912.
Gegengezeichnet: Prinz Joſephus J. 8
Die Stadtkommandantur.
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