Inoffizieller Teil: 1.
1. Vom Gleiberg ſchaut ins Lahnrevier der herr der ſtolzen Deſte:„Dies heſſenvolk ich lob' es mir, verſpricht es doch das Beſte. Doch tief noch ſteckt's in Sumpf und Wald, auf Bildung kann's nicht denken: man ſoll ihm, mein' ich, möglichſt bald'ne hohe Schule ſchenken.“
2. Doch anders im Familienrat alsbald ward es be⸗ ſchloſſen, ſolch ungeſtüme Sortſchrittstat hätt' allgemein ver⸗ droſſen. Mit Wiſſenſchaft verſehn die Welt der Kirche würd'ge Diener: ein Kloſter baut von eurem Geld für fromme Kuguſtiner!
3. Geſagt, getan: Das Kloſter ſtand, den Stiftern macht es Ehre, verſorgte mit Uultur das Land und mancher guten Lehre. Indes der Mönche Bildungswerk ſollt kurzen Ruhm genießen, denn zwiſchen Glei⸗ und Schiffenberg entſtand das muntre Gießen.
4. Die Muſenſtadt, da war ſie ja, man brauchte nur zu wollen! Das Gute lag auch hier ſo nah für jeden Einſichts⸗ vollen: recht mitten drin im Weltverkehr, bequem im luft'gen Cale, und lieblich floß die Lahn daher, wie Neckar, Main und Saale.
5. Talab noch mancher Tropfen rann— gut Ding will Weile haben!— Dann brach die höh're Bildung an für heſſens muntre Unaben. In Deutſchlands ſtolzen hochſchulchor trat ſpät die Gießner Schweſter; ſelbſt Marburg, leider, war ihr vor um dritthalb Schock Semeſter.
6. Das wäre denn die Urgeſchicht' der hohen Schul' zu Gießen! Was weiter folgt, wer hört es nicht mit Jubelſchall geprieſen: wie Ludwigs treue Liebesmüh' ſie Marburg ſchuf zum Trutze, wie wohl gehegt ſie ſpät und früh in ſeines Hauſes Schutze.
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