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Das Studium an der Ludwigs-Universität in Gießen an der Lahn / herausgegeben im Auftrage der Stadt Gießen ; zusammengestellt von Hans Fritz Schuster, Gießen ; Bilder von Winterhoff und Bürck
Entstehung
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Leitung des betr. Dozenten, iſt ein ganz weſentlicher Teil der Ge⸗ ſamtausbildung des Chemikers, denn hier ſoll er ſich darin üben, das früher praktiſch und theoretiſch Erlernte ſchöpferiſch anzuwen⸗ den. Nur dann iſt er in der Lage, techniſche und wiſſenſchaftliche probleme, die ſpäter an ihn herantreten, zu meiſtern.

Das Ergebnis der Doktorarbeit iſt zugleich ein Beitrag zu den aus dem Inſtitut hervorgehenden wiſſenſchaftlichen Unterſuchungen. Dieſe Verbindung zwiſchen Lehre und Forſchung ſtellt eine der wert⸗ vollſten Uberlieferungen der deutſchen Univerſitäten dar und hat ſich bei der Ausbildung der jungen Chemiker aufs beſte bewährt.

Die chemiſche Ausbildung des Kandidaten für das höhere Lehramt iſt der des Chemikers grundſätzlich gleich, nur wird die analptiſche und organiſch⸗präparative Ausbildung weſentlich eingeſchränkt. Da⸗ mit auch er in ſeiner Ausbildung einmal bis an die Front der For⸗ ſchung kommt, erhält er als Prüfungsaufgabe die experimentelle Bearbeitung eines kleineren wiſſenſchaftlichen Problems.

Die baulichen und apparativen Einrichtungen des Gießener Che⸗ miſchen Inſtituts ſind im Laufe der letzten Jahre gründlich erneuert worden und genügen allen Anforderungen. Der größte Teil der benötigten Chemikalien wird den Studierenden unentgeltlich über⸗ laſſen; koſtſpieligere Laboratoriumsgeräte werden vom Inſtitut oder aus dem Glaslager der Chemiſchen Fachſchaft leihweiſe zur Ver⸗ fügung geſtellt. Für diejenigen Studierenden, die mit einer ſelb⸗ ſtändigen wiſſenſchaftlichen Arbeit beſchäftigt ſind, iſt das Labora⸗ torium auch während eines Teiles der Ferien geöffnet.

Das Chemieſtudium an einer ſog. kleinen Univerſität, wie Gießen, bietet gegenüber dem an einer überfüllten großen Hochſchule ſeine ganz beſonderen Vorzüge. Nur im kleineren Kreis bilden ſich die feſtgefügten Arbeitsgemeinſchaften, in denen einer für den anderen eintritt und einer vom anderen lernt; auch die kameradſchaftliche Verbundenheit zwiſchen Dozent und Student iſt nirgends ſo eng wie hier.

Das Studium des Chemikers dauert zwar verhältnismäßig lange, etwa zehn Semeſter; nach beſtandener Doktorprüfung iſt der junge Chemiker aber auch mit ſeiner Ausbildung vollkommen fertig, er kann ohne vorher noch Praktikanten⸗, Volontärjahre oder der⸗ gleichen abzuleiſten unmittelbar eine Anſtellung in der Induſtrie finden. Der Bedarf an tüchtigen jungen Chemikern iſt in unſerem Vaterlande, das ſich ſeine Kohſtofffreiheit erkämpfen muß, heute weſentlich größer als früher.

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