Großherzog um Aufstellung eines Freicorps. Als sie zurückkamen, versuchten sie— voran die neu gegründete Burschenschaft unter Garl Follen, dem Verfasser des„Gießener Ehrenspiegels“— dem als Freiwillige erkannten Geist der Einheit und Freiheit des Vater- landes Raum zu schaffen. Daß sie sich an der festen Mauer der Reaktion die Köpfe blutig stießen, daß mancher ins Gefängnis kam oder ins Xusland flüchten mußte, weil er— Deutschland liebte, be⸗ darf keiner Erwähnung. Aber trotz allen Verfolgungen hielten sie durch und ihre Enkel dürfen heute vom„einigen deutschen Reich“
sagen und singen.—
Das wissenschaftliche Leben im 19. jahrhundert mag durch einige Namen gekennzeichnet werden: Liebig, Heyer, Harnadk, Gaffky, Rachfahl, Röntgen. NXußer den Fakultäten einer Volluniversität be- kam Gießen eine landwirtschaftliche, eine forstwissenschaftliche und eine tierärztliche Xbteilung. Einen botanischen Garten besitzt Gießen schon seit 1600, vornehmlich im 19. jahrhundert wurde die Zahl der Institute, Kliniken und Seminare erheblich vermehrt. Den Grund⸗ stodk zur Universitäts-Bibliothek legte Landgraf Ludwig V. schon 1612, heute umfaßt sie ausschließlich der Dissertationen rund 670 000 Bände und 1500 Handschriften, und man darf von ihr sagen, daß sie im engen Rahmen des Möglichen allen gerechten Xnforderungen
entspricht.
Nus einer territorialen und konfessionellen Bildungsstätte für land⸗ gräfliche Geistliche und Beamte wurde eine Landesuniversität, um in der gegenwärtigen Bpoche, da Dozenten und Studenten das Braunhemd tragen, einmal eine„Deutsche“ Hochschule zu werden. lm ewigen Fluß der Dinge hat sich die Ludoviciana in den mehr als 300 Jahren äußerlich und innerlich mitgewandelt und wird sich auch in Zukunft umgestalten, wie die Forderungen des dritten Reiches es verlangen. Denn nicht um Gießen oder um Hessen geht es, sondern die Universität hat nur ein Ziel für alle ihre Axrbeit: Deutschland. Wie im Einzelleben, so gilt auch für die akademische Gemeinschaft unserer Hochschule Hans Grimms Wort:„Ich weiß, daß meine Kinder und mein Geschlecht und das deutsche Volk ein und dasselbe sind und eiĩn Schicksal tragen müssen.“
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