Zur Geſchichto dor Inivorſität
ULon Dr, Cart Halhrach
Die dreihundertjährige Geschichte der UIniversität läßt sich in drei Bpochen einteilen, über die man Otto Behaghels Wort gelegentlich der Jahrhundertfeier 1907 stellen mag:„Wer die Linien verfolgt, in denen die Bntwicklung unserer Hochschule sich bewegt, dem wechseln Hügel und Gipfel mit sandigen Niederungen und traurigem Ab-
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sturz“ und setzen wir heute hinzu, wieder hoffnungsvollem Xufstieg.
Die erste und vielleicht glänzendste Bpoche reicht von der Grün- dung bis zum Jahre 1650, die zweite umfaßt das Xuf und Ab bis zum Jahre 1933, im Beginn der dritten, die ich die Zeit der Noademia
militans genannt habe, stehen wir heute.—
Ihre Entstehung verdankt die Universität den politischen und reli- giösen Zuständen der Zeit, als das Landesfürstentum während des Verlöschens der Reichsgewalt immer stärker wurde. Der Streit um das Erbe Philipps des Großmütigen zwischen den beiden hessischen Linien Kassel und Darmstadt und der gleichzeitige kirchliche Kampf zwischen ihnen um die Calvinische oder lutherische Lehre an der Gesamtuniversität Marburg, weil damals die Gewissensbindung an die reine Lehre und das dynastisch⸗territoriale Machtstreben untrenn⸗ bar verbunden waren, führte 1607 zur Brrichtung einer Hochschule in Gießen durch Landgraf Ludwig. Die neue Landes=Universität blühte schnell auf, sodaß es nach wenigen Jahren nur sechs deutsche PHochschulen gab, die mehr Studenten aufzuweisen hatten, unter einer Reihe hervorragender Professoren wurde sie„eine Stätte starker geistiger Bewegung und scharfer Arbeit“. Als zu Beginn des 30⸗ jährigen Krieges Christian von Braunschweig Gießen bedrohte, bil⸗- deten die Studenten eine Freiwilligen-Kompagnie und erhielten eine Srün=⸗gelbe Fahne mit dem schönen noch heute gültigen Wahlspruch:
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„Literis et armis ad utrumque parati“, unter dem 13 Dozenten und
243 Studenten im Weltkrieg vor dem Feind gefallen sind.
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